Tomba Brion: ein Meisterwerk von Carlo Scarpa

Der Bestattungskomplex der Tomba Brion in San Vito d’Altivole in der Nähe von Asolo ist eines der Hauptwerke des Architekten Carlo Scarpa. Vor kurzem wurde er restauriert.

Wer das erste Mal die Tomba Brion vom Architekten Carlo Scarpa in San Vito d’Altivole besucht, staunt über diesen einzigartigen Bestattungskomplex in der Provinz Treviso in Venetien. Die hügelige Landschaft rund um Asolo ist in unmittelbarer Nähe und vom Komplex aus sieht man den Monte Grappa.

Scarpa und sein harmonisches Zusammenspiel von Natur und Architektur

Auf über 2000 qm erstreckt sich das unkonventionelle Grabmal aus Beton, das vor kurzem sorgfältig saniert und restauriert wurde. Hinter seiner Mauer versteckt sich ein Ort, der uns eher an einen japanischen Garten erinnert. In der Tat ließ sich Scarpa für die Tomba Brion stark von der japanischen Gartenkultur inspirieren. Überall spürt der Besucher in diesem „Garten des Todes“ die Anspielung Scarpas auf ein Leben nach dem Tod. Still ist es hier trotz der vielen Besucher. Jeder staunt und schweigt mit Rücksicht auf den sakralen Geist des Ortes. Betritt man das L-förmige Gelände vom Friedhof der Ortschaft San Vito d‘Altivole kommend, trifft man auf eine mit zwei übereinander gelegten Kreisen durchbrochene Wand. Sie symbolisieren das Leben zu zweit vor und nach dem Tod. Die Anlage ist rechts von einer großen Wasserfläche geprägt, in der ein kleiner Padiglioncino steht – vielleicht eine Anspielung an Venedig, die Geburtsstadt von Scarpa?

Als wir ankommen, sitzen dort ein paar Leute innehaltend: Zu Recht gilt er als Meditationspavillon. Scarpa hob den Boden des Grundstückes an, so dass der Garten leicht erhöht ist und damit alles auf Augenhöhe steht. Die Harmonie zwischen Architektur und Natur ist hier vollkommen. Wiese, Pflanzen und Blumen schmücken den gesamten Bestattungskomplex und verwandeln diesen in einen kleinen Garten – und im Wasser schwimmen unzählige Karpfen.

Zauberhafter zeitloser Ort

Das Doppelgrab des Ehepaares Brion liegt unter einer bogenförmigen „Brücke“, die symbolisch für den Übergang steht, und besteht aus zwei, einander zugeneigten Sarkophagen. Bei diesem Familiengrab denken wir sofort an einen offenen Schrein. In der Friedhofkapelle glitzern goldene Wände und faszinieren ornamentale Details, wie der Mosaikboden und der Marmorputz à la veneziana, den zur Bauzeit der Tomba Brion nur Carlo Scarpa verwendete. Knapp zehn Jahre arbeitete der Stararchitekt an diesem Meisterwerk. Bei der Friedhofskapelle endet die Wiese in einem von einem Zypressenhain umrahmten Wasserbecken. Diese Bäume verbinden wir sofort mit dem Tod und dem Jenseits – etwas, das während des Besuches fast schon verschwunden war. Draußen bringt uns eine alte Zypressenallee wieder an die Wirklichkeit dieses Ortes zurück.     

Informationen: Die Tomba Brion befindet sich am Friedhof von San Vito d’Altivole.  Scarpa wurde im Mai 1969 von der Witwe des verstorbenen Unternehmers Giuseppe Brion (Gründer der Elektronikmarke Brionvega) beauftragt, ein Grabmal zu errichten. Der Architekt reiste kurz später nach Japan und seine Eindrücke bestimmen das Aussehen des Denkmals. Der Komplex wurde 1978 fertig gestellt.  

Informationen über die Provinz Treviso: www.marcatreviso.it

Unser Tipp zum Einkehren: Leckere traditionelle Gerichte genießt man auf der Terrasse des Restaurants „Locanda da Gerry“ in Monfumo, mit Blick auf die Hügel rund um Asolo. Hier kann man auch übernachten. www.ristorantedagerry.com

Text: Nicoletta De Rossi – Bilder: Nicoletta De Rossi und Harald G. Koch

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