Neu entdeckt: das Savio-Tal in der Romagna

Das kaum bekannte Savio-Tal erstreckt sich von den Hügeln bis zur Ebene in der Emilia-Romagna am Fluss Savio entlang. Wir haben es mit dem Rad entdeckt, aber das Tal ist mehr als nur ein Outdoor-Paradies.

Zu den im Ausland wenig bekannten italienischen Gegenden gehört das Savio-Tal in der Provinz Forlì-Cesena im südlichsten Teil der Region Emilia-Romagna. Diese grüne Gegend, die teilweise an die Toskana grenzt, begeistert den Besucher mit ihrer bezaubernden Landschaft und versteckten Schätzen, die man zu Fuß oder per Rad entdecken kann. Mit dem Fahrrad haben wir einige Strecken den Fluss Savio entlang erkundet. Der Fluss entspringt, genauso wie der viel bekanntere Tiber, am Berg Fumaiolo. Der Savio – so erzählt unser Guide Ivan – hieß in der Antike Sapis und ist mit seinen 126 Kilometern der längste Fluss der Romagna. Gestartet haben wir unsere Entdeckungstour an einem sonnigen und warmen Nachmittag in Bagno di Romagna.

Magisches Bagno di Romagna

Auf dem Wanderweg im Bosco del Benessere (Wald des Wohlbefindens) blicken wir von einer Lichtung aus auf Bagno di Romagna. Von oben hat der kleine Thermalort im nördlichen Apennin etwas Märchenhaftes. So überrascht uns nicht, dass einige hier noch an die alten Legenden rund um die Zwerge glauben, die im Wald Armina wohnen würden. Mit etwas Glück könnte man einige auf dem Sentiero degli Gnomi (Pfad der Gnomen) treffen. Ein großer Zwerg heißt die Besucher auf dem Hauptplatz des Borgo neben der alten Basilika Santa Maria Assunta willkommen. Die Architektur der Häuser erinnert hier stark an die benachbarte Toskana. Daher ist auch kein Zufall, dass diese Gegend auch „Romagna toscana“ genannt wird – wie Ivan uns erklärt.

Dort sind wir mit Alessandro verabredet, der unsere E-Mountain-Bikes schon vorbereitet hat. Mit dem Bike fahren wir auf einen gut erhaltenen Radweg bis San Piero in Bagno. Dann nehmen wir die kurvige Straße SP43, die steil bis zum Lago di Acquapartita noch führt. Am klaren See in knapp 750 Meter Meereshöhe machen wir kurz Rast und stärken uns mit typischen Wurstwaren und Käse. Der Blick auf die umgebenden grünen Hügel ist einfach herrlich. Als wir wieder zurück in Bagno di Romagna sind, ist es schon fast dunkel und frischer geworden. Im Restaurant werden wir mit köstlichen Cappelletti in brodo, einem der typischen Gerichte der Region, verwöhnt.

Geheimnisvolles antikes Sarsina

Die nächste Etappe der Entdeckungsreise durchs Savio-Tal führt uns nach Sarsina, wo der berühmte Sohn der Stadt, der römische Dichter Titus Maccius Plautus, 254 v. Chr. auf die Welt kam. In der kleinen Altstadt ist noch sein Haus zu sehen. Unter den langen Arkaden, die den ihm gewidmeten Hauptplatz umgeben, hängen viele Tafel, die seine Werke verewigen. Auf dem Platz thront die Kathedrale Basilica Concattedrale S. Maria Annunziata. Die Basilika ist auch Wallfahrtskirche des Heiligen Vicinio, der zwischen dem 3. und dem 4. Jh. nach Chr. Bischof von Sarsina wurde. Innen spendet der Priester gerade einen besonderen Segen: Mit der sogenannten „Catena di San Vicinio“ (einer metallenen Kette mit zwei Armen) segnet er eine Handvoll Gläubige. Wir dürfen dabei sein und wir spüren, wie fest die Leute hier daran glauben. Draußen unterhalten sich die Einheimischen auf dem Platz unter der Sonne.

Wir nehmen einen erfrischenden Aperitif und genießen eine typische Mahlzeit: Zum Primo essen wir einen Teller schmackhafter Tagliatelle al ragù, die hier zu den beliebtesten Nudelgerichten zählen. Es geht weiter zum Archäologischen Nationalmuseum, wo wir das großartige Mosaik „Trionfo di Dioniso“ und das Mausoleum von Rufus bewundern – nur deswegen lohnt sich eine Reise nach Sarsina! Auf der Hauptstraße finden wir noch einen weiteren Beweis der antiken Geschichte dieses Ortes: das Mausoleum von Obulacco. 

Genussvolles Monte Saraceno

In Monte Saraceno kommen wir erst am Nachmittag an. Wir halten am malerischen Savio-Ufer, wo noch ein Rest der alten Brücke zu sehen ist. Leise unterhalten wir uns mit Ivan, denn jemand angelt gerade unten am Ufer des Flusses. Auf dem Hauptplatz Piazza Mazzini befinden wir uns plötzlich mitten in den Vorbereitungen für ein dreitägiges Volksfest. Zwei Männer öffnen eine große Gefriertruhe voll mit dem „Nationalgericht“ der Region: den per Hand zubereiteten Cappelletti – wie schade, dass wir an diesem Abend schon woanders verabredet sind. Wir treffen Frau Monica Rossi, die sympathische und engagierte Bürgermeisterin der Stadt. Sie erzählt uns, dass Mercato Saraceno vor Kurzem zur Città del Vino ernannt wurde. Die Gegend ist tatsächlich für ihre Weinreben berühmt und daher ist es kein Zufall, dass man hier auf fünf wichtige Weinkellereien trifft. Zusammen besuchen wir eine im kleinen Ortsteil Monte Sasso auf knapp 400 Meter Meereshöhe. An den sattgrünen drei Hektar großen Weinbergen der Winzerin Elisa Baraghini genießen wir den wunderschönen Blick auf die umliegenden Hügel und Berge. Sie erzählt von ihrer Leidenschaft und ihrer Arbeit in den Weinbergen. Unterstützt wird sie vom Önologen Francesco Bordini. Zusammen stellen sie interessante Weine aus der Weinrebe Sangiovese her. Vom Anwesen aus sieht man auch den Monte Fumaiolo.

Die letzten Sonnenstrahlen erhellen die Landschaft. Ringsum ist kein Geräusch mehr zu hören. Wir sind fest davon überzeugt, dass sich hier abends Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Jetzt ist uns auch klarer geworden, warum uralte Traditionen, fantastische Legenden, Glaube und Aberglaube in dieser Gegend noch lebendig und präsent sind. Die magische Anziehungskraft dieser Region hat auch uns inzwischen überwältigt.

Informationen:

Unione Valle Savio: www.unionevallesavio.it

I percorsi del Savio: https://ipercorsidelsavio.it/

Über die Region Emilia-Romagna: https://emiliaromagnaturismo.it/de

Bagno di Romagna: www.bagnodiromagnaturismo.it und

Sentiero degli Gnomi www.ilsentierodeglignomi.com

Sarsina: www.basilicadisanvicinio.it

Mercato Saraceno: www.comune.mercatosaraceno.fc.it

Übernachten & Einkehren

Roseo Euroterme Wellness Resort: Schöne großzügige Zimmer mit allem Komfort, gutes Frühstück und eigenes Restaurant mit lokalen Spezialitäten. Das Vier-Sterne-Hotel verfügt über ein modernes Thermalbad.  www.euroterme.com

La Taverna di Plauto: Deftige lokale Gerichte, wie der typische Tagliere mit Salami, Wurstwaren und Käse oder die hausgemachten Tagliatelle mit Ragout. www.latavernadiplauto.it

Sport und Shoppen

E-MTB-Verleih: www.outdoorromagna.it

Castello Montesasso: Die kleine und feine Weinkellerei produziert 7000 Weinflaschen im Jahr mit wunderschönen Etiketten. Montesasso ist auch ein Agriturismo.  https://castellomontesasso.it/

Tipp für Fans der klassischen italienischen Gitarre: In Calbano, wo noch Reste alter Stadtmauern stehen, treffen wir auf Elvis Moro. In seiner kleinen Werkstadt baut und restauriert der Geigenbauer klassische italienische Gitarren. Es handelt sich um eine anspruchsvolle Handwerksarbeit, die viel Konzentration, Geduld und spezifisches Können verlangt und nur Musikliebhaber richtig schätzen können. Für die Herstellung einer neuen Gitarre braucht Elvis ungefähr fünf Monate. www.lachitarraitaliana.com      

 Text: Nicoletta De Rossi  – Bilder: Harad G. Koch und Nicoletta De Rossi

Teile diesen Beitrag

Das könnte Sie auch interessieren...​

Geheimtipps aus den Regionen