Peter Amann: Italien ist für mich „Leben“

Seit seiner Studienzeit teilt Peter Amann sein Leben zwischen Deutschland und (Süd-)Italien – für ihn die ideale Ergänzung.

Peter Amann

Zwanzig Reiseführer hat Peter Amann geschrieben – und alle über Italien. „Genaugenommen bis auf einen Wanderführer Elba, alle über die Regionen im Süden des Bel Paese,“ sagt Amann, der sein erstes Reisebuch „Wanderungen auf Sizilien. Mit Liparischen und Egadischen Inseln“ Mitte der 90er Jahre schrieb. Damals war er für Studiosus bereits als Studienreiseleiter unterwegs. Wir fragen ihn, wann und warum er mit dem Schreiben von Italien-Reiseführern angefangen hat. „Obwohl ich mein Repertoire schnell erweitert hatte, war ich einfach neugierig und wollte wissen, was sich hinter dem nächsten Hügel verbirgt, wie die Welt vom Gipfel eines Berges aussieht und vor allem wollte ich die sizilianischen Inseln kennen lernen. Ein Buch zu schreiben, schien mir der richtige Weg,“ erzählt Amann. Damals konnte er noch nicht ahnen, dass die Recherche und das Schreiben von Reiseführern einen so wichtigen Platz in seinem Leben einnehmen würde.

Faszination Bella Italia

Der Italien-Experte lebt mehrere Monate im Jahr auf der Halbinsel. Bereits 1973 entdeckte seine Liebe für sie. Auf Betreiben seiner Großmutter war seine Familie aus Siebenbürgen nach Bayern ausgewandert. Seine Großmutter wollte die Orte wiedersehen, die sie vor dem Krieg besucht hatte. Dazu gehörte auch Venedig. „Ich erinnere mich vor allem an bunte Topolino-Hefte und das ebenso bunte Notgeld. Manchmal bekamen wir an der Kasse als Rest Bonbons statt Münzen. Darüber freute ich mich dann besonders. In Italien fand ich, was ich aus meiner Kindheit anfing zu vermissen – eine mediterrane Lebensart und die Sprache,“ sagt Amann. Auf die Frage „Was Sie an Italien fasziniert?“ antwortet der Autor lächelnd: „Das ist die Millionen-Dollar-Frage. Zusammengerechnet habe ich bislang über ein Viertel meines Lebens in Italien verbracht, den größten Teil davon im Süden. Der Schriftsteller Jean Giono hat vielleicht mit dem Titel seines einzigen, wunderbaren Reisebuches »In Italien um glücklich zu sein« die Antwort gegeben. Ein Teil der Antwort ist auch in meiner Biografie begründet.“ Nicht zufälligerweise ist das Wort, das seiner Meinung nach die Halbinsel am besten beschreibt: Leben.

Über Sizilien  

Amann kennt und liebt den Süden Italiens mit all seinen Facetten, nicht nur die schönen. Sizilien jedoch nimmt seit seiner ersten Begegnung im Frühjahr 1993 eine ganz besondere Stellung ein, warum? „Ich kenne wenige Landstriche, die so vielschichtig sind. Auch wenn ich zusammengerechnet mehrere Jahre meines Lebens auf Sizilien verbracht habe, hört diese größte Insel des Mittelmeeres nie auf mich, in Erstaunen und Begeisterung zu versetzen. Besonders ins Herz geschlossen habe ich die Liparischen Inseln und ihre Menschen,“ erzählt er. Dank seines schlichten Gemüts findet Amann fast immer an den Orten, an denen er sich aus privaten oder beruflichen Gründen aufhält, etwas was ihn den Besuch als wertvoll erscheinen lässt. Von vielen seiner Lieblingsorte und Lieblingsmenschen schreibt er in seinen Reiseführern – von Geheimtipps hält er aber nichts.

Seine zweite Heimat: Giungano

An Giungano in der Region Kampanien hat er aber sein Herz 2005 verloren. „Meine Freundin und ich suchten in Italien ein Grundstück, um darauf einen Landschaftsgarten anzulegen. Giungano lernte ich kennen, weil mir dort ein B&B-Palazzo empfohlen wurde. Unser Grundstück entdeckten wir von einer Hügelkuppe: Es war ein verwunschener Olivenhain mit blühenden Orangenbäumen und einer kleinen Ruine. Es sollte einige Jahre dauern, bis wir uns als die stolzen Besitzer bezeichnen durften. Trotz einiger Schwierigkeiten haben wir die Entscheidung nie bereut und verbringen jedes Jahr viele Wochen dort zum Arbeiten. Die Nähe zum antiken Paestum, dem Meer, aber auch zu einer wunderbaren Bergwelt und nicht zu vergessen unsere vielen Freunde sind ein zusätzlicher Gewinn.

Italiener sind toll, aber…

„Wie finden Sie die Italiener und was könnte dieses Land besser machen?“ „Die Italiener? Ich finde sie toll, obwohl ich mich manchmal wahnsinnig über sie aufrege. Darüber hinaus sollte es Politiker (Menschen) geben, die das Land lieben und langfristig handeln, ohne in erster Linie auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein,“ antwortet Amann. Die Zeit ist beim Interview im Nu vergangen, es ist fast Mittagszeit. Eine letzte spontane Frage fällt uns ein: Was ist Ihr italienisches Lieblingsgericht? „Sehr einfach: Spaghetti aglio, olio e peperoncino. Das Olivenöl produzieren wir im Cilento selbst,“ sagt er entschieden – und uns läuft schon das Wasser im Mund zusammen!

Informationen: In Siebenbürgen (Rumänien) ist Peter Amann, der perfekt Italienisch kann, dreisprachig aufgewachsen und hat dort eine glückliche Kindheit verbracht, seine Jugend anschließend im Isartal.

Dreimal wurden bislang seine Bücher beim Premio ENIT ausgezeichnet. 2015 bekam er ausnahmsweise den Premio Salvatore Di Giacomo, der eigentlich aus Kampanien stammenden Künstlern oder Journalisten vorbehalten ist.

www.instagram.com/sud.ebasta/www.walksicily.de

www.cilento-aktiv.info

Auf diesem Instagram-Account sind Bilder aus Amanns Gartenparadies zu sehen: @giardino_di_hera

Tipp: Die nächste Studiosus-Reise von Amann ist für Mitte September nach Apulien geplant. „Noch hoffe ich, dass ein Segeltörn an Bord der Brigantine Florette auf den Spuren der Odyssee, den ich zusammen mit meinem Freund Andreas Pehl als BR-Hörerreise geplant habe, ebenfalls stattfinden kann. Sicher ist sicher, haben wir aber bereits einen Ersatztermin Anfang September ins Auge gefasst. Corona hin oder her, das Reisen bleibt ein Abenteuer,“ ergänzt der Autor.

Interview: Nicoletta De Rossi – Bilder: Peter Amann, privat

Erscheinungsdatum: 14.05.2021

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