Die Abtei von Montecassino

Sehr bewegt ist die Geschichte der Abtei von Montecassino in Latium. Architektur und Kunstwerke prägen diesen Ort des Glaubens und des Friedens.

Die Abtei von Montecassino ist bereits von weitem entfernt sichtbar. Sie thront über der Stadt Cassino in der Region Latium auf einem Hügel in 520 Meter Höhe. Die Straße schlängelt sich nach oben immer mit Blick auf das unten liegende Tal. Der heilige Benedikt suchte sich im Jahre 529 diesen wunderbaren Platz für sein erstes Kloster. Ob er schon damals ahnte, dass dieser Ort im Laufe der Jahrhunderte in die Geschichte eingehen würde? Stille herrscht, trotz der vielen Touristen: Worte braucht es an diesem Ort wirklich nicht, man hält inne und staunt.

Montecassino – Ort des Friedens

Wenn man die Klosteranlage betritt, trifft man als erstes auf die Inschrift PAX (Frieden) über einem Tor. Durch einen Aufgang gelange ich in einen Innenhof und danach in den sogenannten Kreuzgang del Bramante, weil seine Architektur an den Stil des großen Hochrenaissance-Bauherrn erinnert. Von den Balkonen aus genießt man hier ein schönes Panorama auf das Tal. In der Mitte eines kleinen Platzes befindet sich eine graziöse Zisterne. Filmreif ist die majestätische Treppe, die zur Abtei führt. An ihren Füßen begrüßen den Besucher die Statuen des heiligen Benedikts und der heiligen Scolastica links und rechts. Ich steige die Treppe hoch und bleibe unter dem Säulengang stehen: Zwischen den Säulen blickt man durch die verschiedenen architektonischen Elemente bis hinunter zum unteren Tal in der Ferne.


Mehrmals wurde die Abtei in der Geschichte zerstört, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie nach dem Plan aus dem 17. und 18. Jahrhundert wiederaufgebaut. Zartes Hellblau und glänzendes Gold zieren die prächtigen Gewölbe im Inneren des Gotteshauses, während der bunte, glatte Marmorboden das Licht mit tausenden Effekten reflektiert. Ich steige in die Krypta hinab: Die Treppe ist durch ein mit Sternen übersätes blaues Gewölbe verziert. Unten glitzern unzählige goldene Mosaikstückchen und erhellen den Raum fast magisch.
Draußen scheint die Sonne. Für einen Moment ist kein Mensch in Sicht, und die Stille ist jetzt betörend.

TIPP: Neben der Basilika befindet sich das Museum von Montecassino, wo man Überreste des Fußbodens, Goldschmiedearbeiten, Skulpturen, Statuen sowohl wunderschöne Buchbände, Handschriften und Ordensregeln der Mönche ausgestellt sind.

Die Abtei von Montecassino wurde am 18. Februar 1944 durch eine Bombardierung komplett zerstört und zwischen den Jahren 1948 und 1956 wiederaufgebaut. Die Basilika wurde im Oktober 1964 vom heiligen Papst Paulus VI. feierlich eingeweiht.
Viele Touristen kommen aus Polen hierher, um den nahen Friedhof zu besuchen, wo Tausende von polnischen Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg begraben sind: Sie kämpften für die Befreiung des Klosters im Februar 1944.

Informationen: www.visitlazio.com

Text: Nicoletta De Rossi   •   Bilder: Harald G. Koch

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