Jedes Jahr am 20. Juni ist es auf der Insel Ponza wieder soweit: Die Statue des heiligen Silverio wird auf dem prächtig mit Blumen geschmückten Corso Pisacane und den Hauptstraßen der kleinen Hafenstadt getragen. Anschließend wird die Figur des beliebten Stadtpatrons für einen beeindruckenden Umzug auf ein ebenfalls wunderschön geschmücktes Fischerboot geladen. Hunderte von Booten begleiten es ins offene Meer hinaus – ein beeindruckendes Spektakel, das in Italien einzigartig ist. Wir waren mittendrin in diesem unbeschreiblichen Bootsumzug. Nur so kann man verstehen, warum jedes Jahr zum Fest des Silverio Tausende von Ponzesi aus aller Welt nach Ponza kommen, um ihren Heiligen zu ehren und die Freude dieses Festes mit Familie und Freunden zu teilen. Das Fest beginnt bereits am 9. Juni, wenn die Statue des heiligen Silverio nachts mit einer berührenden Bootsprozession nach Ponza kommt.






Willkommen im Paradies
Um den Tag in vollen Zügen zu genießen, haben wir am Freitag die erste Fähre nach Ponza genommen. Kaum am Hafen angekommen, lassen wir uns vom geruhsamen Tempo der Insel verführen und gönnen uns einen Caffè auf der Piazzetta, um richtig „anzukommen“. Anschließend spazieren wir über den Corso Pisacane, die Flaniermeile der kleinen Stadt über dem Hafen. Einen Vorgeschmack auf das wunderbare Meer rund um diese Insel bekommt man schon am Strand Sant’Antonio und am Belvedere über der Bucht Chiaia di Luna. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf das offene Meer und die unbewohnte Nachbarinsel Palmarola. Ein besonderes Panorama hat man auch an einem eher ungewöhnlichen Ort auf der Insel, dem Friedhof, der auf den Resten einer antiken römischen Villa auf einem Hügel erbaut wurde.




Am frühen Nachmittag fahren wir mit dem Shuttleboot zum Strand von Frontone. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten, aber die Vorfreude ist schon groß, denn in Frontone stehen Wasserratten sowohl Sandstrand als auch Felsen zur Verfügung. Vom Strand aus führt ein Weg nach oben zum Museo Etnografico. In einer Grotte wurden dort unzählige typische Utensilien der lokalen Bauern und Fischer gesammelt. In der Nähe kann man unter einer schattigen Laube die einfache, typische Küche der Insel genießen zusammen mit einem traumhaften Blick auf Ponza und die Bucht.

Wenn man lieber wandern möchte, kann man vom Corso Pisacane im Zentrum Ponzas aus vom Stadtteil Scotti di Basso zum Monte della Guardia oder zur Ortschaft Il Fieno hinaufsteigen. Im Frühling wandert man an den Hängen der Insel durch ein gelbes Meer aus Ginster.


Wenn sich der Tag dem Ende zuneigt und die Sonne langsam hinter den Hügeln untergeht, füllt sich die Piazzetta nach und nach. Alt und Jung treffen sich hier – so wie wir – zum obligatorischen Aperitif, bevor sie nach Hause gehen, sich schön machen und zum Abendessen schreiten. Nach dem Abendessen trifft man sich dann wieder auf der Piazzetta oder am Hafen. Zum San Silverio ist der Corso Pisacane mit bunten großen Lichtinstallationen geschmückt. Unsere Vorfreude auf den darauffolgenden Tag steigt.



Viva San Silverio!
Das Fest zu Ehren des Heiligen Silverio beginnt bereits am frühen Morgen mit einer Musikkapelle, die entlang des Hafens marschiert. Wie die Einheimischen haben wir uns ein T-Shirt mit dem Motiv von San Silverio besorgt. Wir treffen uns zum Frühstück auf der Piazzetta, die sich allmählich füllt. Ponzesi, Touristen und Autoritäten warten alle auf die Statue des Stadtpatrons, die aus der Kirche getragen wird. Wir laufen aber schon Richtung Hafen, wo ein Boot auf uns wartet. Der Zug mit der Statue von San Silverio kommt ebenfalls am Hafen an. Sobald sein Boot ablegt, folgen ihm unzählige Boote und so beginnt eine beeindruckende Bootsfahrt!







Die anderen Perlen des Archipels: Palmarola und Zannone
Je nach Wetterlage entscheidet man an einem normalen Wochenende relativ spontan, was man unternehmen möchte: einen organisierten Bootsausflug zur bezaubernden, unbewohnten Insel Palmarola oder eine Rundfahrt um Ponzas vielfältige Küstenlandschaft. Wer nicht nur schwimmen oder schnorcheln, sondern auch eine tolle Wanderung unternehmen möchte, entscheidet sich für den Bootsausflug zur kleinen Insel Zannone, die ein echtes Paradies für Naturliebhaber ist! Bei der Cooperativa Barcaioli ist man gut aufgehoben. Bei den Ausfahrten gibt es viele Stopps, um ins türkisblaue Wasser zu springen. Der Kapitän gibt außerdem Informationen und Kuriositäten zu den Inseln preis.



Bis 17 Uhr kommen alle Boote zurück in den Hafen von Ponza. Nach einer erfrischenden Dusche trifft man sich dann, wie immer, auf der Piazzetta. Nach dem Abendessen kommt man hierher, um den Abend im Hafen ausklingen zu lassen und einen romantischen Spaziergang bis zur Mole des Leuchtturms zu machen. Wenn man zum Fest von San Silverio auf Ponza ist, speist man mit Freunden und wartet auf das wunderbare Feuerwerk um Mitternacht, das sich auch im Wasser widerspiegelt.
Arrivederci Ponza!
Am nächsten Tag haben wir geplant, die letzte Fähre zum Festland zu nehmen, um die Insel, in die wir uns längst verliebt haben, noch ausgiebig genießen zu können. Mit dem Bus fahren wir zur anderen Seite der Insel in die Ortschaft Le Forna. Von dort aus kann man zu den Piscine hinuntergehen und in der Sonne auf den Felsen liegen. Wer noch den letzten Zipfel der Insel sehen möchte, fährt bis zur Cala Gaetano, wo ein fantastisches Panorama wartet! Das Wochenende auf Ponza ist bald zu Ende, doch unsere Liebe sicher nicht. Kein Grund, traurig Abschied zu nehmen. Wir sind sicher, dass wir den Pontinischen Archipel bald wieder besuchen werden!

Was haben wir mitgebracht? Die Tradition des abendlichen Spaziergangs am Corso, bei dem man vor und nach dem Essen wie in einem Wohnzimmer jeden trifft.


Informationen: www.ponzaviaggi.it
In Formia kann man das Auto am Hafen bei dem Parkservice Golphoservice abgeben: www.golphoservice.it
Cooperativa Barcaioli: Bootsrundfahrten um die Insel und tägliche Ausflüge auf die Nachbarinseln www.barcaioliponza.it
Für Taucher: Odissey Diving Ponza www.odisseydivingponza.it
Übernachten
Turistcasa: Die Immobilienagentur betreut viele Appartements verschiedener Typologien, B&Bs (wie Il Gabbiano) und Villen. Auf der Website kann man Fotos und Beschreibungen der einzelnen Wohnungen anschauen und direkt buchen. www.turistcasa.it
Text und Bilder: Nicoletta De Rossi