Mailand während des Salone del Mobile.Milano

Zurecht wird Mailand als die italienische Hauptstadt des Designs bezeichnet. Hier ist alles Design. Die kreative Seele der Stadt ist hoch ansteckend, was man besonders während der Internationalen Möbelmesse Salone del Mobile.Milano erlebt.

Seit Jahrzehnten findet parallel zur Möbelmesse Salone del Mobile.Milano in Rho der sogenannte Fuorisalone mit der Milano Design Week statt. Die Stadt ist in dieser Woche buchstäblich im Design-Rausch. In diesem Jahr war der Andrang dank des wunderschönen Wetters enorm – zumindest gefühlt. Geduldige Menschenmassen nahmen überall Besitz von Plätzen, Bürgersteigen und Straßen. Einheimische waren hin und wieder irritiert, denn an einigen Knotenpunkten hatten sich lange Schlangen gebildet. Die Milano Design Week bietet allen Nicht-Fachleuten, die nicht auf der Möbelmesse in Rho sind, die Möglichkeit, sich über Design, Innovation und Technologie auf dem Laufenden zu halten. Das überwältigende Angebot inspiriert sehr viele junge Leute. Gleichzeitig bietet sich die Chance, die internationalste Stadt Italiens zu entdecken.

Design unter freiem Himmel

Design erlebt man in Mailand ständig und unter freiem Himmel. Wenn Sie beispielsweise am Bahnhof Cadorna ankommen, können Sie auf dem großen gleichnamigen Platz die Bildhauerei „Ago, filo, nodo” von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen bewundern. Sie wurde im Rahmen eines Sanierungsprojekts der italienischen Stararchitektin Gae Aulenti entworfen. Nach zahlreichen Studien und Modellen wurden die 18 Meter hohe Nadel aus Stahl und Glasfaser sowie ihr 86 Meter langer, geknoteter Faden im Februar 2000 eingeweiht. Während ich das bunte Kunstwerk fotografiere, rasselt eine der alten orangen Straßenbahnen, die seit 1928 in Betrieb sind, vorbei – was für ein Kontrastprogramm!

Ein Brunnen für das Castello

In der Nähe des großen Platzes thront das Castello Sforzesco – eines der Symbole der lombardischen Stadt. Francesco Sforza ließ es im 14. Jahrhundert auf den Ruinen der Burg seiner Vorgänger, der Visconti, errichten. Treffpunkt aller Touristen ist hier der Brunnen vor dem Haupteingang. Er wird von den Mailänderinnen und Mailändern „Torta degli sposi” genannt, da seine Form an eine Hochzeitstorte erinnert. Es handelt sich um einen etwa 1.200 m² großen Springbrunnen mit Kreislaufsystem, der aus Becken auf verschiedenen Ebenen besteht. Diese bilden schöne Wasserspiele und kleine Wasserfälle – ein echt erfrischendes Spektakel!

Der Bosco Verticale von Mailand

Ich habe mich mit einer Kollegin auf der Piazza Gae Aulenti in der Nähe des Bahnhofs Porta Garibaldi verabredet. Der im Jahr 2012 eingeweihte Platz ist das Herz des modernen und futuristischen Mailands. Erhöht und kreisförmig, ist der Paltz bekannt für seine Überlaufbrunnen, den beeindruckenden Unicredit Tower, das mit 231 Metern höchste Gebäude Italiens, und den Blick auf den Bosco Verticale, der nach dem Entwurf des Architekten Stefano Boeri errichtet wurde. Genau vor diesen beiden Hochhäusern halte ich an, um die Gebäude zu betrachten, an denen unzählige Pflanzen wachsen. Ich denke, wie wichtig es wäre, wenn in den Städten der Zukunft solche Häuser für alle entstehen würden. Auch rund um die Piazza gab es viele Designinstallationen, die zu echten Attraktionen wurden. Um ein Foto zu schießen, musste ich Schlange stehen.

Das Stier-Mosaik in der Galleria Vittorio Emanuele II

Zurück geht es mit der U-Bahn bis zum Wahrzeichen der Stadt, dem Dom. Er glänzt fast unter der strahlenden Sonne. In der heute aus allen Nähten platzenden Galleria Vittorio Emanuele II gönne ich mir einen Aperitif. Am Stier-Mosaik bleibt immer eine Menschenmasse stehen. Die Leute drehen sich dreimal mit der Ferse auf den Hoden des dargestellten Stiers, was Glück bringen und eine Rückkehr nach Mailand sichern soll. Ich sollte auch das berühmte Glücksbringer-Ritual machen, denn ich möchte bald zurück nach Mailand: Auf meinem Programmzettel steht der Besuch eines Stückes im Mailänder Teatro alla Scala. In der Nähe verpasse ich nicht die Statue „Il Dito“ von Maurizio Cattelan. Sie befindet sich auf dem Platz Affari und heißt eigentlich „LOVE“. Der Name ist jedoch ein Akrostichon, das für die Wörter Freiheit, Hass, Rache und Ewigkeit steht – auf Italienisch „Libertà, Odio, Vendetta ed Eternità“. Wer weiß, was der berühmte Designer damit sagen wollte. 

Was habe ich mitgebracht: viel Freude am innovativen Geist und positive Stimmung trotz der aktuellen misslichen internationalen Lage.

Salone del Mobile.Milano 2026 

Mit 316.342 Besuchern aus 167 Ländern und 1.900 ausstellenden Marken aus 32 Ländern festigte die Internationale Möbelmesse Salone del Mobile.Milano im Jahr 2026 ihre Position als globaler Branchen-Bezugspunkt. Der Internationale Sanitär- und Bademöbel-Salon sowie die EuroCucina mit FTK, Technology For the Kitchen, haben die strategische Bedeutung zweier Schlüsselbereiche für die Entwicklung des zeitgenössischen Wohnens bestätigt: die Verbindung von industrieller Qualität, Technologie und neuen Lebensstilen.

Mit dem neuen „Salone Raritas” – 28 Galerien aus 12 Ländern – hat die Messe einen breiteren Dialog über den kulturellen Wert des Designs eröffnet und dabei Einzigartigkeit, Forschung und Experimentierfreudigkeit in den Mittelpunkt gerückt.  

Fuorisalone 2026

Mit 1.300 Veranstaltungen in der Stadt verzeichnete die Ausgabe 2026 des Fuorisalone einen Besucherandrang von über 500.000 Menschen. Damit festigte Mailand seine Rolle als Plattform für Begegnung, Weiterbildung und die Entwicklung neuer Möglichkeiten.

Informationen über Mailand: www.yesmilano.it

Nachhaltig mit dem Zug von München nach Mailand fahren: https://www.bahn.de/strecke/mailand

Die grenzüberschreitenden Hochgeschwindigkeitsverbindungen Mailand–München und Rom–München mit dem Zug Frecciarossa werden ab Dezember 2026 Realität. Ab Dezember 2028 werden sie schrittweise bis nach Berlin und Neapel erweitert. Damit wird das Projekt „Metropolitana d’Europa“ mit dem Zug Frecciarossa fortgesetzt.

Text und Bilder: Nicoletta De Rossi – Bild des Sessels: Bonaldo

Teile diesen Beitrag

Das könnte Sie auch interessieren...​