In einer halben Stunde mit dem Auto (oder in knapp zehn Minuten mit der Seilbahn) erreicht man von Trapani aus den Berg Erice mit seiner gleichnamigen Stadt. Dank ihrer strategisch günstigen Lage wurde sie im Laufe der Jahrhunderte als „Leuchtturm des Mittelmeers“ und „Kompass der Seefahrer“ bezeichnet.

Während ich die Kopfsteinpflaster-Gassen hinaufgehe, habe ich den Eindruck, an einem Ort zu sein, an dem die Zeit stehen geblieben ist. Die Rollläden der kleinen Handwerksläden sind wegen der Hitze noch heruntergelassen, es sind keine Autos zu sehen und es herrscht die für italienische Dörfer an heißen Sommernachmittagen typische Stille. Doch sobald die Sonne hinter den Gebäuden sinkt und die Temperaturen angenehmer werden, füllen sich die Straßen, die still und menschenleer waren, mit Leben. Zahlreiche Touristen und Einheimische drängen sich auf den Hauptstraßen, um ein Eis oder eines der typischen Süßgebäcke auf Mandelbasis zu genießen und sich von der ruhigen Atmosphäre dieses Ortes zwischen Meer und Bergen verzaubern zu lassen. Ich habe das Gefühl, dass mich jede der ansteigenden Gassen zu einer weiteren Belohnung führt. Sei es zu einer der vielen Kirchen von Erice, zu barocken Palästen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, zu Souvenirshops, Cafés und Eisdielen, zu Museen oder zur Hauptsehenswürdigkeit, dem Dom und der Burg.



Der Dom der Santa Maria Assunta
Betritt man das Stadttor Porta Trapani, erreicht man nach wenigen Minuten die Chiesa Madre di Santa Maria Assunta. Der Dom existierte bereits zur Zeit des römischen Kaisers Konstantin (4. Jahrhundert n. Chr.) als rudimentärer christlicher Tempel, wurde aber im Jahr 1314 unter Friedrich III. von Aragon umgebaut und erweitert. Der aktuelle Glockenturm war beispielsweise früher ein Wachturm. Ich lasse mich nicht von seinem etwas unscheinbaren Äußeren täuschen, denn das Innere der Kirche versetzt jeden in Staunen. Gotische Bögen mit zahlreichen Reliefs und Säulen aus Kalktuff lenken den Blick durch das Kirchenschiff bis zu einem Renaissance-Altaraufsatz aus weißem Marmor. Die gesamte Atmosphäre ist durch die hellen Farben leicht und feinfühlig und bleibt unvergesslich.


Eine Burg für die Aphrodite
Danach lasse ich mich durch die Gassen der Innenstadt bis zur anderen Seite des Dorfes treiben und erreiche die normannische Burg, die auch Castello di Venere genannt wird. Sie wurde an der Stelle des griechischen Tempels der Aphrodite errichtet. Vom Tempel ist heute leider nicht mehr viel übrig. Doch laut einer Legende wurde er an der Grabstätte von Erix, dem Sohn der Aphrodite, errichtet und seiner Mutter gewidmet. Von der Burg aus genieße ich den wunderschönen Blick über die Bucht von Trapani, die Salinen und die Küste. An besonders klaren Tagen kann man sogar das Kap Bon und die afrikanische Küste erahnen.



Informationen
Borghi più belli d‘Italia: https://borghipiubelliditalia.it/borgo/erice/
Tickets für die Seilbahn: www.funiviaerice.it
Über die Region Sizilien: www.visitsicily.info
Text und Bilder: Elena Brendolan