Auf dem Sentiero della Bonifica von Chiusi nach Arezzo

Abseits von Autolärm führt der Sentiero della Bonifica durch das ehemalige Sumpfgebiet, entlang des einstigen Entwässerungskanals: Ein knapp 70 Kilometer langer Radweg in der Toskana zwischen der Etruskerstadt Chiusi und Arezzo – ein Paradies für Radfahrer, die eine Tour ohne Steigungen schätzen.

„Das Schönste am Sentiero della Bonifica ist die Natur. Besonders hier im Naturschutzgebiet am Lago di Montepulciano“, betont Enzo Caratozzolo, der für die Vereinigung TRE BERTE „Amici del Lago di Montepulciano“ im unmittelbar am See gelegenen Informationszentrum arbeitet. Das ist gleichzeitig Minimuseum für örtliche Flora und Fauna und Raststation für Radler auf dem Sentiero della Bonifica. Wer hier am toskanischen Lago di Montepulciano angelangt ist, hat die ersten 15 Kilometer bereits hinter sich. Vom Startpunkt am Damm in der Nähe des Bahnhofs von Chiusi ging es vorbei am Lago di Chiusi zum Lago di Montepulciano.

In ganz fernen Zeiten war hier einmal das Meer, dann verlandete das Gebiete, irgendwann versumpfte es und musste schließlich mühsam, über einen langen Zeitraum hinweg, entwässert werden, bis daraus eine der fruchtbarsten Gegenden Italiens wurde, fasst Enzo Caratozzolo mehr als knapp die Geschichte des Valdichiana zusammen. Der Trockenlegung – auf Italienisch la bonifica – verdankt das Chiana-Tal nicht nur den Radweg, sondern vor allem seine Umwandlung in fruchtbares Acker- und Weideland. Getreide, Tabak und Zuckerrüben wurden hier angebaut. Noch heute führt der Radweg an Birnen- und Apfelplantagen vorbei. Die „Razza Chianina“, die weltweit zu den ältesten und edelsten Rinderrassen zählt, ist ebenfalls hier beheimatet und nach dem Valdichiana benannt.

Leonardo und Galileo gegen die Stechmücken
Im Mittelalter machten sich Leonardo da Vinci und Galileo Galilei Gedanken darüber, wie das sumpfige, hauptsächlich von Stechmücken besiedelte Tal trockengelegt werden könnte. Die Medici sind für die Erbauung des Canale Maestro verantwortlich. Den damals auch als Schifffahrtsweg genutzten Hauptkanal im Valdichiana. Er kehrte ab Chiusi die Fließrichtung des Chiana-Flusses von Süd nach Nord um, ließ ihn statt Richtung Rom in den Tiber, bei Florenz in den Arno fließen. Mit dem Canale Maestro war eine erste, aber bei weitem nicht ausreichende Entwässerung des Valdichiana geschafft. Zahlreiche Sümpfe und Seen blieben. Bis sich im 18. Jahrhundert Großherzog Leopold, der spätere Kaiser Leopold II., der systematischen Trockenlegung des Valdichiana verschrieb. Eine umfangreiche Maßnahme, die erst Ende des 19. Jahrhunderts beendet wurde und eng mit dem Mathematiker und Ingenieur Vittorio Fossombroni verbunden ist. Bis zu seinem Tod im Jahre 1844 widmete er der Trockenlegung des Valdichiana gut 50 Jahre seines Lebens. Auch wenn der Canale Maestro längst nicht mehr schiffbar ist und die ehemaligen Schleusen als romantische Ruinen den Sentiero della Bonifica säumen, verdankt das Valdichiana ihm seine Fruchtbarkeit und die Radler eine schöne Strecke von Chiusi. Teils bleibt vom Wasser rechts und links des Radwegs nur ein kleines Rinnsal, teils fließt es zwischen den kanalisierenden Mauern, teils verbreiterter es sich zu einer ansprechenden Flusslandschaft, die Heimat für verschiedenste Pflanzen ist. Vom Rad aus sind im Vorbeifahren am Wegrand die typischen Landhäuser auszumachen. Die Leopoldina – benannt nach dem toskanischen Großherzog – war ein meist zweistöckiges Haus, in dem die Bauern oben und die Kühe unten im Stall wohnten.

TIPP
Wer den Radweg an heißen Hochsommertagen befährt, wünscht sich schnell, er hätte sich an die Empfehlung gehalten, den Sentiero della Bonifica in den kühleren Monaten Mai, Juni, September oder Oktober zu genießen. Im August brennt die Sonne gnadenlos.
Egal zu welcher Jahreszeit, ausreichend zu Trinken muss mit auf den Sentiero della Bonifica. Denn die direkt an der Strecke gelegenen Einkehrmöglichkeiten beschränken sich auf eine Bar am Lago di Chiusi und zwei Raststationen für Radler, die auch Hilfe bei kleineren technischen Problemen am Rad anbieten. Sentiero della bonifica

Amici del Lago di Montepulciano:
www.amicilagodimontepulciano.it

Allgemeine Informationen über die Toskana www.visittuscany.com
www.enit.de
Ristorante Bar da Gino. Am Lago di Chiusi leckere haus- und handgemachte Pici. www.ristorantedagino.com

Text & Bilder: Maren Recken

Erscheinungsdatum: 19.09.2018

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