Toskana: Traumhaftes Val d’Orcia

Im Val d’Orcia häufen sich bezaubernde Postkartenmotive in unglaublicher Konzentration: Diese Gegend der Toskana ist einfach ein Traum!

Landschaften Pienza 2a NDR

Dort gibt es zwar kein Meer, keinen See und auch keine hohen Berge, doch die Bilder des toskanischen Val d‘Orcia in der Provinz Siena sind einfach atemberaubend und unvergesslich. Vor allem zwischen Radicofani und Pienza bietet die toskanische Landschaft eine Fülle an malerischen Postkartenmotiven, die ihresgleichen suchen. Kleine pittoreske Dörfer mit mittelalterlichen Türmen thronen auf Hügeln, dunkle Zypressenreihen folgen dem Verlauf der kurvigen Straßen und bestimmen das Landschaftsbild. Sonne und Wolken wechseln sich am Himmel ab und schaffen wunderbare Kontraste. Wer dort war, der versteht sofort, warum das Val d’Orcia seit 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Radicofani und seine Fortezza

Die Straße schlängelt sich durch die Hügellandschaft des Tals. In der Ferne erblicken wir einen Turm, der hoch aus einem Hügel ragt. Ich mache einen Plan der Region auf und finde dort Radicofani! In der Tat geht es um die Fortezza von Radicofani, deren Turm seit Jahrhunderten über die Via Francigena wacht und überall in der Region zu sehen ist. In der Vergangenheit war die Via Francigena, welche die Grenze zwischen der Toskana und der Region Latium bildete, die wichtigste Achse zwischen Rom und Nordeuropa. Heute verbinden wir diese alte Straße mit Outdoor-Aktivitäten, wie Wander- und Radtouren. Von dem großartigen Turm der Fortezza aus, die das erste Mal 973 erwähnt wurde, hat man eine spektakuläre Aussicht auf die ganze Region. Es wundert uns nicht, dass der berühmte Brigant Ghino di Tacco 1297 die Fortezza zu seinem Hauptquartier machte. Ob er tatsächlich eine Art toskanischer Robin Hood war, wissen wir nicht, aber wir glauben fest daran: Diese Geschichte trägt zur Faszination dieses Ortes bei. Schwalben fliegen aufgeregt um den Turm und bilden die einzige Geräuschkulisse: Die wenigen Besucher genießen, genau wie wir, still die bezaubernde Aussicht. 

Pienza, die ideale Stadt von Papst Pius II.

Knapp 15 Kilometer von Radicofani entfernt liegt Contignano. Das kleine Borgo auf einem Hügel besitzt ein niedliches, kleines Zentrum, in dem auch ein Castello zu finden ist. Umgeben von alten Mauern verstecken sich wenige Häuser und kleine Plätze, wo ein paar Kinder spielen. Ringsum ist die Landschaft von Olivenhainen, Obstbäumen und Weizenfeldern geprägt. Wenn hier die Nacht hereinbricht, ist die Stille ohrenbetäubend. Wir sind davon überzeugt, dass hier sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

Weiter Richtung Norden befindet sich der touristische Magnet des Val d’Orcia schlechthin: Pienza. Vom Belvedere der Renaissancestadt aus genießt man einen wunderschönen Blick über die ganze Umgebung. Piazza Pio II. ist das pulsierende Zentrum der idealen Stadt von Enea Silvio Piccolomini, dem späteren Papst Pius II. 1462 beauftragte er den Architekten Bernardo Rossellino, Corsignano, seinen Geburtsort, in eine ideale Stadt, nach den ehemaligen geltenden Regeln der Harmonie- und Proportionslehre, zu verwandeln. Heute blicken auf den zentralen Platz, der ständig von Leuten wimmelt, die Kathedrale Santa Maria Assunta und der Palazzo Borgia, der Palazzo Comunale (das Rathaus) mit seinem Turm und der Palazzo degli Ammannati, an der Ecke zum Corso Il Rossellino. An einem Tisch der traditionsreichen Bar La Posta sitzen wir und beobachten das Treiben in dieser Stadt – und fühlen uns dabei in die Renaissancezeit versetzt, als alles hier begann.  

Tipp: In der Nähe von Pienza trifft man auf der Straße SP53 auf eine großartige alte Eiche: Die Quercia delle Checche steht hier seit über 370 Jahre.

Informationen: www.fortezzadiradicofani.itwww.ufficioturisticodipienza.it

Radicofani hier

Contignano hier

Über die Toskana: www.visittuscany.com

Essen und Trinken

Beccofino: Das Restaurant im Herzen von Pienza ähnelt einer Wunderkammer, so viele Kunstobjekte und romantische Accessoires sind hier versammelt. Dort genießt man leckere typische Küche wie Pici und Cenerata und fantasievolle Desserts. Gianni serviert die Köstlichkeiten mit viel Können, Sympathie und elegantem Querbinder.

Übernachten

La Fattoria Bellandi: In Contignano, in sehr ruhiger Lage große, rustikal eingerichtete und komfortable Zimmer. Gute lokale Küche im eigenen Restaurant und selbstgemachte Kuchen von Frau Enza zum Frühstück.

Text: Nicoletta De Rossi – Bilder: Harald G. Koch und Nicoletta De Rossi

Erscheinungsdatum: 26.09.2021

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