„Un giorno verrà“ von Giulia Caminito

Die junge italienische Autorin Giulia Caminito überzeugt das Publikum in Italien und Deutschland mit ihrem neuen packenden Roman „Un giorno verrà“ („Ein Tag wird kommen“).

Ein Roman von „Fede, Speranza e Anarchia“ (Glaube, Hoffnung und Anarchie) liest man auf dem Cover von „Un giorno verrà“. Die junge Autorin Giulia Caminito aus Rom ist eine zierliche Frau, die aber leidenschaftlich und mit viel Kraft über ihr jüngstes Buch spricht. Auf der Halbinsel ist sie seit 2016 bekannt und sogar preisgekrönt: Vor vier Jahren bekam sie mit ihrem Debutroman „La Grande“ den „Premio Bagutta opera prima“, den „Premio Berto“ und den „Premio Brancati giovani“. In die Literatur hat sie schon früh zuhause hinein geschnuppert, da beide Elternteile in der Branche tätig sind. Von dieser frühen Prägung kommt wahrscheinlich ihr feiner ausgewählter und prägnanter Wortschatz. Mit „Un giorno verrà“ wollte Caminito das Thema des Glaubens, in Bezug sowohl auf die Politik als auch auf die Religion, anpacken „ein Thema, das normalerweise meiner Generation nicht sehr präsent ist,“ betont die Autorin. 

Lupo, Nicola und Moretta

Der Roman spielt vor und während des Ersten Weltkrieges sowie später in der Zeit des frühen Faschismus in der italienischen Provinz, genauer gesagt in Serra de’ Conti, einem Dorf im Inneren der Region Marche, woher die Mama von Caminito stammt. Dabei geht es um eine italienische Familiengeschichte und insbesondere um zwei Geschwister, die nicht unterschiedlicher sein könnten: Lupo und Nicola. Der erste ist rebellisch und hat eine eigene, klare Idee der Justiz. Es überrascht dem Leser daher nicht, dass er sich später den Anarchisten anschließen wird – was der Urgroßvater der Autorin tatsächlich machte. Nicola ist dagegen schwach und fragil: In der damaligen bäuerlichen Gesellschaft praktisch nicht zu gebrauchen und zum Scheitern verdammt. In dieser Handlung erscheint auch eine dritte Hauptfigur: Moretta. Ursprünglich im Sudan als Sklavin verkauft, kommt die höchst begabte Musikerin über Ägypten nach Italien. Später wird sie zur Äbtissin eines Klosters, in dem sich die Fäden der Erzählung miteinander verknüpfen.

Informationen:

Der italienische Roman wurde 2019 vom Verlag Gunti veröffentlicht www.giunti.it

Das Buch ist heuer in der deutschen Version mit dem Titel: „Ein Tag wird kommen“ erhältlich www.wagenbach.de

Giulia Caminito stellte den Roman bei einer Lesung in der Stadtbibliothek Nürnberg am 8. Oktober 2020 vor.

Text & Bild: Nicoletta De Rossi

Erscheinungsdatum: 17.10.2020

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