Michil Costa: der Mensch im Mittelpunkt

Michil Costa, Gastgeber des Hotels La Perla im Südtiroler Corvara, ist nicht nur Hotelier mit Leib und Seele. Er ist auch ein Querdenker im besten Sinne, ein Tausendsassa und bewundernswerter Lebenskünstler.

Mit seinem Charme und seinem fröhlichen Auftreten – Michil Costa trägt gerne farbenfrohe Jacketts, stets mit Buntstiften im Revers – zieht er die Menschen in seinen Bann. Nicht nur in seinem Hotel, auch in der Politik. Michil Costa setzt auf eine neue Wirtschaftsordnung, die vor allen dem Menschen und der Umwelt zugutekommen soll. Ein Gespräch mit dem Südtiroler Hotelier über das Konzept der „Gemeinwohlökonomie“ mit einem Mann, der lange Zeit montags zur Selbstreflexion geschwiegen hat. Wie gut, dass wir ihn an einem Mittwoch befragen durften.

Herr Costa, bitte erklären Sie unseren Lesern den Begriff „Gemeinwohlökonomie“

Gemeinwohlökonomie ist ein Wirtschaftssystem, das auf universellen Werten basiert, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht. Jede Aktion wird bewertet und kann eine bestimmte Punktezahl erreichen. Und die gesamte Punktezahl sagt aus, wie sehr z. B. ein Hotel gemeinwohlorientiert ist. Die vier Hauptaktionen sind Solidarität, Transparenz und innerbetriebliche Demokratie, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit.

Wie funktioniert das in Ihrem Hotel La Perla in Alta Badia konkret?

Nehmen wir das Beispiel Solidarität. Wir helfen hier Menschen, die weniger Glück im Leben haben als wir. Dazu haben wir eine Stiftung gegründet. Wir unterstützen Projekte mit Hilfe zur Selbsthilfe unter anderem in Tibet, in Nepal oder etwa den Safrananbau in Afghanistan sowie den Vanilleanbau in Uganda. Die geerntete Vanille wird dann wiederum bei uns im Hotel verwendet, z. B. im hauseigenen Vanilleeis. Und das, was wir daran verdienen, fließt wiederum in das Projekt in Uganda zurück. Ein nachhaltiges System.

Warum haben Sie sich dem Gedanken der Gemeinwohlökonomie verschrieben?
Unsere Gesellschaft befindet sich derzeit in einer Krise, nicht nur wirtschaftlicher Natur, sondern auch auf spiritueller Ebene. Wir glauben, dass wir mit Geld aus der Wirtschaftskrise herauskommen können. Ich bin nicht dieser Meinung. Wirtschaft ist nicht das Wichtigste. Aus diesem Grund habe ich eine Alternative gesucht.

Wie wird das Thema soziale Gerechtigkeit in Ihrem Haus umgesetzt?

Wir nehmen zum Beispiel Menschen als Arbeitskräfte auf, die Schwierigkeiten haben sich in der Gesellschaft zu integrieren. Es arbeiten derzeit vier Flüchtlinge bei uns im Haus. Das ist natürlich nicht immer leicht und bringt auch gewisse Reibungspunkte mit sich, die wir gemeinsam versuchen zu überwinden. Doch wir haben auch wunderbare Erfolgserlebnisse. So war etwa einer dieser Mitarbeiter zunächst im Hotel La Perla tätig, wechselte dann während der Betriebsferien in das Hotel La Posta in der Toskana und lernte dort seine jetzige Frau kennen. Inzwischen haben die beiden ein Kind und ein Familienleben, das sie glücklich macht.

Wie könnte in Ihrem Sinne der ideale Tag eines Gastes im La Perla verlaufen, um zur Gemeinwohlökonomie beizutragen?

Das ist eine interessante Frage. Dieser „ideale“ Gast könnte mit dem Zug anreisen. Er könnte im La Perla den vegetarischen Tag am Freitag nutzen und komplett auf Fleisch verzichten. Dann könnte er auch in kleinen Dingen umdenken, und z.B. nur 5 Minuten duschen anstatt 20 Minuten. Schön wäre, wenn der „ideale Gast“ für die Tage seines Aufenthalts Handy und Fernseher nicht benutzen würde, aber man kann das natürlich niemandem mit erhobenem Zeigefinger vorschreiben. Der Gast würde bei uns auch keinen riesigen Spa-Bereich oder ein beheiztes Schwimmbad vorfinden, obwohl wir Mitglied der „Leading Hotels of the World“ sind. Denn wir wollen einerseits Energie sparen, andererseits wollen wir die Leute lieber in die Natur rausschicken als in den Wellnessbereich. Deshalb geht der Gast tagsüber zum Schneeschuhwandern, z. B. über die Armentara Wiesen unterhalb des Heiligkreuzkofel und isst auf der Ranch da Andrè ladinische Spezialitäten wie etwa Turtres (in Öl ausgebackene Teigtaschen mit Spinat und Quark) und genießt dazu ein Glas Lagrein bei dem einmaligen Blick auf die Berglandschaft von Alta Badia.

Wunderbar wäre zum Abschluss des Tages, wenn der Gast von Michil Costa nur saisonale Lebensmittel zu sich nimmt.

Informationen:  Hotel La Perla www.laperlacorvara.it

Das Interview führte Susanne Wess – Bilder: La Perla Corvara, Bilder Innenbereiche Copyright Gustav Willeit, Bild des Hotels: Copyright Stephanie Völser

Teile diesen Beitrag

Das könnte Sie auch interessieren...​
Das Ca' del Poggio Resort und Restaurant im Herzen der Prosecco-Hügel von Conegliano-Valdobbiadene ist ein Ort puren Genusses. In dem von der Familie Stocco geführten
Von der historischen Villa „Bella di Ceciliano“ schweift der Blick über die berühmten toskanischen Regionen Chianti, Valdichiana und Casentino bis hin zur nahe gelegenen Stadt
Wer sich inmitten der Natur entspannen und die lokale, traditionelle Küche der Basilikata genießen möchte, sollte den familiengeführten Agriturismo Val Sirino in der Nähe von
In den Sassi von Matera zu übernachten ist ein Privileg: So kann man diese einzigartige Stadt in der Basilikata am besten erleben.
In Cison di Valmarino kann man in dem romantischen Hotel CastelBrando übernachten und in eine faszinierende Vergangenheit eintauchen.
Ein Projekt von Rosanna Brambilla und Alessandro Ficola in Contignano, im zauberhaften Val d'Orcia: die Agricola Panthea.