Die Diamanten von Ferrara  

Ein paar Stunden in Ferrara und es war schon geschehen: Wir haben uns in die UNESCO-Welterbestadt der Renaissance verliebt. Mit dem Fahrrad haben wir nicht nur eine bezaubernde Kultur- und Kunststadt erlebt, sondern auch eine grüne Stadt.

Ferrara gilt als die erste moderne Stadt Europas und war ein urbanes Vorbild für die Stadtplanung in der Renaissance. Deshalb wurde ihr historischer Stadtkern 1995 von der UNESCO als Welterbe anerkannt – ab 1999 gemeinsam mit dem alten Po-Delta.

Die grüne Seele von Ferrara

Wir haben uns ein Fahrrad geliehen und entdecken so Ferrara als grüne Stadt, die von einer Renaissance-Stadtmauer umgeben ist. Dieser „grüne Ring“ erstreckt sich über fast neun Kilometer. Zum Mittagessen konnten wir nicht widerstehen, eine große Portion leckere Cappellacci zu essen. Danach tut uns ein bisschen Bewegung gut. Also steigen wir wieder auf unsere Fahrräder und fahren an der Stadtmauer entlang. Diese Runde ist teilweise sehr schattig, denn sie wird von vielen alten Bäumen gesäumt. Auf der Strecke treffen wir einige, die den Weg zu Fuß gehen. An der Porta Paola verlassen wir die Stadtmauer und fahren kurz zur Darsena am Ufer des Po di Volano. Dieser Ort ist besonders an Sommerabenden ein beliebter Treffpunkt für viele junge Leute.

Wir werfen jetzt einen Blick auf unseren Stadtplan und stellen fest, dass das Kloster Sant’Antonio in Polesine nicht weit entfernt ist. Wir beschließen, hinzufahren, denn dort befinden sich wertvolle Fresken aus der Giotto-Schule. Dies ist ein Vorgeschmack auf den atemberaubenden, profanen Freskenzyklus im Salone dei Mesi des Palazzo Schifanoia, dem ehemaligen Sommerquartier der Familie Este. Die zwischen 1469 und 1470 von Francesco Cossa, Ercole de’ Roberti und weiteren Künstlern der Officina Ferrarese geschaffenen Jahreszeiten sind bezaubernd. Am liebsten würden wir den ganzen Nachmittag hier verbringen, um alle Details zu bewundern. Draußen lädt jedoch ein Garten mit einem schönen Lokal zu einer Pause ein. Wir nutzen die Gelegenheit, um die vielen Eindrücke des Tages zu sortieren.

Die Addizione Erculea  

Es wird Zeit, in unser Quartier zurückzugehen. Wir bringen das Fahrrad zum Verleih zurück und spazieren bei Sonnenuntergang durch das Stadtzentrum, wo sich viele Einheimische nach der Arbeit treffen. Das Castello erstrahlt in einem wunderschönen Rosarot. Am Abend planen wir bei einem typischen Abendessen das Programm für den darauffolgenden Tag. Bevor wir diese wunderbare Stadt verlassen, möchten wir den beeindruckenden Palazzo dei Diamanti am Corso Ercole d’Este sehen. Die von Biagio Rossetti entworfene gerade Straße, die sich mitten durch das Stadtzentrum Ferraras zieht, sollte nur von Gärten und Palästen gesäumt sein. Jetzt verstehe ich, warum sie von einigen als die schönste Straße Europas bezeichnet wird. Diese Ecke der Stadt verkörpert die sogenannte „Addizione Erculea“. Es handelte sich um einen modernen Stadtplan, den Herzog Ercole I. d’Este wollte, um die Größe von Ferrara zu verdoppeln. Im Palazzo dei Diamanti versuchen wir, unter den mehr als 8.000 diamantförmig behauenen weißen und rosafarbenen Marmorquadern den richtigen Diamanten zu finden, der einer Legende zufolge hier versteckt wurde. Wir glauben, ihn gefunden zu haben – das ist Ferrara, eine entzückende Stadt, in der wir uns sofort wie zu Hause gefühlt haben.

Tipp: Das Spazio Antonioni bietet Filmfans einen Einblick in das Leben und Werk des Regisseurs Michelangelo Antonioni (1912–2007).  www.museiferrara.it/spazio-antonioni/

Informationen: www.inferrara.it

www.ferraraterraeacqua.it

Der historische Stadtkern von Ferrara wurde 1995 von der UNESCO als Welterbe anerkannt – ebenso wie das alte Po-Delta seit 1999.   

In Ferrara findet seit 10 Jahren das Festival del Ciclismo Lento (Festival des Langsamen Fahrradfahrens) statt. www.ciclistalento.it

Bikeverleih: in der Altstadt, ganzjährig geöffnet www.todisco-bike

Übernachten und Einkehren

Die Osteria „I quattro Angeli“ serviert typische Spezialitäten aus Ferrara in einer schönen Atmosphäre am Piazza Castello.

Antica Trattoria da Max: Ausgezeichnete, typische Küche in modernem Ambiente mit einer großartigen Auswahl an Weinen und Whiskys – der Leidenschaft der Besitzer. Apropos: Max war die Katze der Besitzer.

Ein Besuch der Osteria Al Brindisi neben der Kathedrale ist ein Muss: Die Hostaria del Chiucchiolino ist die älteste Osteria weltweit und geht auf das Jahr 1435 zurück.

Eisdiele K2: Seit 1968 ist die Gelateria die Adresse für leckeres Eis. Einheimische und Touristen stehen gerne Schlange, um es zu probieren.

Astra Hotel: Das Vier-Sterne-Hotel mit jedem Komfort befindet sich in einer guten Lage, sodass die Altstadt bequem zu Fuß erreicht werden kann.

Text und Bilder: Nicoletta De Rossi

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