Comacchio: eine zeitlose Stadt

Ein Spaziergang durch Comacchio vermittelt das Bild einer authentischen, zeitlosen Stadt, in der die Menschen gerne leben. Neben den Valli di Comacchio und den verschiedenen Stränden gibt es hier einige unerwartete Schätze zu entdecken.

An der Ecke fangen zwei junge Männer Fische aus einem Kanal, der leise und friedlich vor sich dahinfließt. Wir sind nicht am Land, sondern im Herzen von Comacchio, nicht weit entfernt vom Wahrzeichen der kleinen Stadt in der Emilia-Romagna in der Provinz Ferrara, der Brücke Trepponti.

Brücken und Kanäle in Comacchio  

Wir schlendern in der Via Agatopisto am Kanal entlang. Die bunten Häuser und ein historisches Boot spiegeln sich im Wasser wider. Unwillkürlich müssen wir an die Lagune von Venedig mit ihren bunten Inseln denken. Tatsächlich wurde Comacchio in der Antike auf 13 kleinen Inseln errichtet und auch heute noch ist die Altstadt von kleineren und größeren Kanälen durchzogen. Pittoreske Brücken verbinden die verschiedenen Stadtteile. Wir halten an der Brücke degli Sbirri, die über der Kreuzung der zwei größten Kanäle der Stadt steht. Von hier aus bewundert man auf der einen Seite die Brücke Trepponti und auf der anderen Seite den ehemaligen Ospedale degli Infermi (Psychiatrische Klinik) aus dem 18. Jahrhundert, in dem sich seit 2017 das Museum Delta Antico befindet.

Hier waren Etrusker und Römer zu Hause

Zur Zeit der Etrusker (6. Jahrhundert v. Chr.) entstand am nahen Delta des Po die Stadt Spina, ein wichtiger Knotenpunkt der Antike für Kulturen und Handel. Sie geriet jedoch in Vergessenheit und wurde erst 1922 während der Trockenlegung der Valli di Comacchio wiederentdeckt. Kostbare Funde aus etruskischer und römischer Zeit sind heute im Museum des antiken Deltas ausgestellt. Besonders beeindruckt hat uns der Saal mit der Fracht eines römischen Schiffes. Die Ladung stammt aus dem letzten Viertel des 1. Jahrhunderts v. Chr., aus der Zeit des Kaisers Augustus.

Comacchio und seine majestätische Brücke

Wir verlassen das Museum und sehen, wie die Sonne das Wahrzeichen der Stadt, die Brücke Trepponti, überflutet. Die aus Ziegelstein erbaute Brücke wird auch Ponte Pallotta genannt, benannt nach dem Kardinal, der ihren Bau im 17. Jahrhundert beauftragte. Sie ist für ihre einzigartige Form mit insgesamt fünf Treppen bekannt und verbindet den Zusammenfluss von fünf Kanälen. Der historische Name „Trepponti” ist jedoch nach wie vor mit der optischen Wirkung und der ursprünglichen Konzeption der drei Hauptzugangstreppen verbunden, die den befestigten Eingang der Stadt dominierten.

Ein Sguazzone zur Aperitifzeit

Unser Spaziergang führt uns weiter in die Via Fogli, die am Kanal entlang verläuft. Dort ist viel los. Wir passieren Geschäfte und Lokale und erreichen schließlich die Piazza Bassi, auf der die Gedreideloggia thront. Hier treffen sich die Einheimischen. Sie reden leidenschaftlich, doch ihre Mundart ist schwer zu verstehen. Wir gönnen uns eine Pause in der Bar unter den Arkaden des ehemaligen Getreidespeichers. Hier trinken wir den lokalen Aperitif, der mit dem traditionellen regionalen Getränk Sguazzone (eine Mischung aus Wein, Wasser und Zitrone) serviert wird.

Sonne, Strand und mehr

Comacchio ist für seine Valli und seine Strände bekannt. Die sieben Lidi von Comacchio erstrecken sich über 25 Kilometer Küste an der Adria. Alle Lidi haben auch im Jahr 2026 die Auszeichnung „Bandiera Blu” erhalten. Hierzu zählen Lido di Volano, Lido delle Nazioni, Lido di Pomposa, Lido degli Scacchi, Lido degli Estensi, Lido di Spina und Porto Garibaldi. In Porto Garibaldi erwartet uns der Hafen des alten Fischerdorfes, in dem noch heute Fischboote ankern und Fischer arbeiten. Hier befindet sich auch der große Fischmarkt, auf dem Fische aus der Adria versteigert werden.

Kunst und Design am Lido di Spina

Ganz in der Nähe des weißen Strands des Lido di Spina entdecken wir ein einzigartiges Museum: das Casa Museo Remo Brindisi. Der italienische Maler (1918–1996) verbrachte den Sommer in seiner von der Designerin und Architektin Nanda Vigo konzipierten Villa am Rande eines Pinienwaldes. Hier sammelte er seine Kunstobjekte sowie viele Werke berühmter Künstler des 20. Jahrhunderts, wie Sironi, De Chirico, Lucio Fontana, Giò Pomodoro und sogar Pablo Picasso. Insgesamt gibt es 1.200 Kunstwerke, die sich harmonisch in die einzigartige Architektur der Villa integrieren. 

Informationen über Comacchio und die Region:

www.visitcomacchio.it

www.podeltatourism.it

www.parcodeltapo.it

Casa Museo Remo Brindisi: www.casamuseoremobrindisi

Zum Einkehren

Florida Bay am Lido di Spina: Am Bagno Florida Beach genießt man am Strandrestaurant typische Fischspezialitäten mit Blick auf dem Strand und das Meer. Via Vene di Bellocchio 29, Lido di Spina Tel. +39 0533/333633

Locanda del Delta: im Herzen von Comacchio speist man im gemütlichen Ambiente innen oder draußen am Kanal leckere Kreationen aus der lokalen Küche.  www.locandadeldelta.com

Aal ist die Spezialität von Comacchio: Wer mehr über diese Spezialität erfahren möchte, sollte die Museumswerkstatt Manifattura dei Marinati, eine ehemalige Fischfabrik, besuchen. Hier werden von Oktober bis Dezember Aalstücke gegart und zubereitet, die dann in die typischen Dosen verpackt werden.

Text und Bilder: Nicoletta De Rossi

Teile diesen Beitrag

Das könnte Sie auch interessieren...​