Entdeckungstour in den Valli di Comacchio

In den Valli di Comacchio im Park des Po-Deltas in der Emilia Romagna erwartet uns eine einzigartige Lagunenlandschaft mit einer großen, bezaubernden Kolonie von Flamingos und einer ehemaligen Saline.

Es ist still an diesem Nachmittag in den Valli di Comacchio. Unser Elektroboot gleitet leise und geräuschlos über das Wasser der Lagunenlandschaft im Po-Delta-Park. Um uns einen Überblick über die Valli zu verschaffen, sind wir vorher an der Stazione Foce auf den Aussichtsturm gestiegen, denn das Panorama von oben ist atemberaubend!

Die rosafarbenen Bewohner der Valli di Comacchio

Die Lagune färbt sich hier nicht nur beim Auf- und Untergang der Sonne zartrosa. Bei einer Bootsfahrt durch die Valli di Comacchio kann man rosa Farbtupfer bewundern, die von den majestätisch fliegenden oder gemütlich im Wasser stehenden Flamingos stammen. Die maximale Tiefe der Lagune liegt bei etwa 1,50 Metern, oft sind es jedoch nur 40 Zentimeter. Die ersten Flamingos wurden 1992 in der Lagune beobachtet. Inzwischen lebt hier mit ungefähr 20.000 Tieren die zweitgrößte Kolonie Italiens. Wenn sie ihre Flügel ausbreiten, hört man Rufe der Bewunderung aus jeder Ecke des Bootes. Die Leute an Bord wenden sich nach links und rechts, um die eleganten Vögel nicht zu verpassen, wenn sie zum Fliegen abheben. Von diesen faszinierenden Bildern scheint niemand genug zu bekommen. Während unserer Bootsfahrt treffen wir aber auch auf verschiedenste Vögel – kein Wunder, denn mit über 300 Vogelarten sind die Valli di Comacchio ein Paradies für Vogelbeobachter.

Das Leben in der Lagune von Comacchio

An diesem Septembernachmittag sind die Farben so klar, dass die Konturen des Wassers und der Lagunenvegetation fast gemalt zu sein scheinen. Das Boot nähert sich einer kleinen Gruppe von Casoni, den Häusern der Vallanti – so wurden die Aalfischer in der Lagune von Comacchio genannt. Die Lagune erstreckte sich Ende des 19. Jahrhunderts über 51.000 Hektar, zuvor sogar über 66.000 Hektar, und beschäftigte Hunderte von Aalfischern. Nach der jüngsten Trockenlegung in den 1960er Jahren sind es heute nur noch 11.000 Hektar. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es knapp 100 Casoni, heute sind es nur noch zehn und sie sind mittlerweile zu Museen geworden. Der Aalfang erfolgte mithilfe des sogenannten Lavoriero, einer Art Fischbecken mit einem Schrankensystem, das die Aale zurückhielt. Der Aalfang hat hier eine Tradition, die bis in die Römerzeit zurückreicht: Die beliebte Spezialität wurde damals überallhin exportiert.

Was habe ich mitgebracht: den Geruch der Lagune und die Nähe zur Natur.

Das Casone Pegoraro

Unser Boot ankert vor dem Casone Pegoraro und wir steigen aus. Die Ausstattung des ehemaligen Fischerhauses ist sehr spartanisch, denn Feuchtigkeit und Salz setzen hier allem zu – auch den Körpern der Fischer. Die Lebensbedingungen in den feuchten Gebieten waren für sie extrem hart. Im Inneren des Gebäudes entdecken wir in der Küche an der Decke einen hohen Balken, an dem Geschirr mit Lebensmitteln hing – so hoch, dass die Ratten den Vorrat nicht erreichen konnten.

Die Sonne neigt sich langsam dem Horizont zu und das Wasser spiegelt die wunderschönen Farben des Himmels wider. Wir steigen wieder ins Boot, das uns zurück zur Stazione Foce bringt. Dort verabschieden wir uns mit einem letzten Blick auf die Padelloni, die mit großen Netzen ausgestatteten Fischfanggeräte, die der Lagune ihr typisches Aussehen verleihen.

Die Salina di Comacchio: In der ehemaligen Saline wird heute kein Salz mehr produziert – stattdessen haben Flamingos in großer Zahl dort ihr Zuhause gefunden. Vom Turm Torre Rossa aus kann man das gesamte Areal besonders gut überblicken. Die Saline darf nur im Rahmen geführter Rad- oder Wandertouren erkundet werden. www.salinadicomacchio.it

Informationen: Es gibt verschiedene Bootsausflüge, um die Lagune von Comacchio am besten zu entdecken: www.podeltatourism.it

Der Parco Delta del Po ist seit 2015 ein UNESCO-Biosphärenreservat: www.parcodeltapo.it

www.visitcomacchio.it 

Einkehren

Il Bettolino di Foce: In urigem Ambiente bietet das Restaurant schmackhafte und frische traditionell zubereitete Fischspezialitäten. Stazione Foce, Strada Foce 4, Comacchio, Tel. + 39 344/0571330

Manifattura dei Marinati: In diesem Museum dreht sich alles um die Aale. Hier erhält man einen Überblick über die traditionelle Herstellung der berühmten Spezialität des Anguilla marinata, die zum Slow-Food-Präsidium gehört. Unter anderem sind die sogenannten Marote ausgestellt: spezielle Boote mit Löchern, in denen die Aale nach dem Fang noch eine Weile am Leben erhalten wurden. www.manifatturamarinati.it  Die 28. Sagra dell’Anguilla findet zwischen Ende September und Anfang Oktober 2026 statt. www.imarinatidicomacchio.it

Text und Bilder: Nicoletta De Rossi

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