Ferrara sehen und lieben

Auf Entdeckungstour unterwegs in Ferrara: In die UNESCO-Welterbestadt der Renaissance kann man sich schnell verlieben, denn es erwarten einen hier so viele Schätze! In der Stadt der Emilia-Romagna bleibt man außerdem fit, denn das Fahrrad ist dort das Fortbewegungsmittel Nummer eins.

Während ich das Castello, das Wahrzeichen Ferraras, im Stadtzentrum bewundere, fahren zahlreiche Menschen mit dem Fahrrad an mir vorbei. Es scheint mir, als würden sich in Ferrara alle mit dem Fahrrad fortbewegen. Tatsächlich gibt es in der Stadt statistisch gesehen ein Fahrrad für 1,35 Personen. In der von einer großen Fußgängerzone geprägten Altstadt fahren die meisten Menschen ruhig und langsam. Viele haben noch normale Fahrräder, keine E-Bikes. Das Castello Estense wurde 1385 zur Verteidigung der Familie Este gebaut und hat bis heute seine typisch mittelalterliche Struktur mit drei Zugbrücken und einem Burggraben behalten. Sein heutiges äußeres Bild verdankt es dem Architekten Girolamo da Carpi, der 1554 mit umfangreichen Renovierungsarbeiten begann. Sein Ziel? Die mittelalterliche Festung in eine der Renaissance angemessene Residenz zu verwandeln. Während ich versuche, die Geschichte des imposanten Castello zu ergründen, spiegelt es sich im Wasser des Burggrabens. In dem grünen, fließenden Wasser schwimmen sogar Fische.  

Unterwegs im Herzen von Ferrara

Gegenüber dem Castello befindet sich die faszinierende Rotonda Foschini des Teatro Comunale, das für seine perfekte Akustik bekannt ist. Zu diesem Innenhof kommen auch alle mit dem Fahrrad, um magische Momente zu erleben. Das Fahrrad ist tatsächlich das beste Verkehrsmittel, um die Stadt zu erkunden. So fahre ich an der den Stadtpatronen Giorgio und Maurelio gewidmeten Kathedrale vorbei, welche die Stilrichtungen Barock und Romanik vereint. Gegenüber thront das Rathaus, der sogenannte Palazzo Municipale, der bis zum 16. Jahrhundert Herzogspalast der Familie Este war. Hier ist auch die Padimetro zu sehen, eine große Säule, auf der alle historischen Hochwasser und Überschwemmungen des Flusses Po verzeichnet sind. Ja, denn in der Vergangenheit durchzog der größte Fluss Italiens direkt die Stadt, heute dagegen fließt er nur noch im Norden Ferraras. Daneben zieht die Statue des Predigers und Kirchenreformators Girolamo Savonarola alle Blicke auf sich, denn es scheint, als würde er die Welt ermahnen.

Was habe ich mitgebracht: die Lust am Fahrradfahren.

Typisch Ferrara

Ich beobachte das Treiben auf der langgezogenen Piazza Trento Trieste, an deren Stelle sich einst die Piazza delle Erbe befand, auf der der wichtigste Markt der Stadt stattfand. Heute ist der pulsierende Platz wieder ein beliebter Treffpunkt. Hierher kommen die Ferraresi zu jeder Zeit – selbstverständlich mit dem Fahrrad. Viele eilen jetzt nach Hause, denn es ist fast Mittagszeit. Höchste Zeit, die Spezialitäten Ferraras zu entdecken und zu genießen! In den Schaufenstern der Bäckereien zeigt sich das typische Brot der Stadt, das Coppia Ferrarese: ein gedrehtes, trockenes Brot, das traditionell an den Zopf von Lucrezia Borgia erinnert. Die berühmte Renaissancefürstin wurde 1505 Herzogin von Ferrara. Die kulinarische Spezialität Ferraras schlechthin sind die Capellacci di zucca, Teigtaschen mit einer süßlichen Kürbisfüllung. Der Koch Luca zeigt gerade einer Gruppe von Kochbegeisterten, wie die Spezialität zubereitet wird. Geschickt dreht er den Teig um seinen Finger, um den Teigtaschen ihre typische Form zu geben. Mit Blick auf das Castello gönne ich mir jetzt eine Pause und genieße die typischen Spezialitäten aus Ferrara.

Tipp: In der mittelalterlichen Altstadt gab es ein Ghetto, dessen Spuren heute noch zu finden sind. An der Via Mazzini befindet sich die Sinagoga, heute Sitz einer kleinen jüdischen Gemeinschaft von 60 Personen. In Ferrara ließ der Schriftsteller Giorgio Bassani seinen berühmten Roman „Il giardino dei Finzi-Contini” (1962) spielen. Der Garten hat jedoch nie existiert.

Informationen: www.ferraraterraeacqua.it

Der historische Stadtkern von Ferrara wurde 1995 von der UNESCO als Welterbe anerkannt – ebenso wie das alte Po-Delta seit 1999.    

Seit zehn Jahren findet im Oktober in Ferrara das Festival del Ciclismo Lento (Festival des Langsamen Fahrradfahrens) im Oktober statt.

Bikeverleih

Todisco Bike: In der Altstadt, ganzjährig geöffnet.

Übernachten und Einkehren

Die Osteria „I quattro Angeli“ serviert typische Spezialitäten aus Ferrara in einer schönen Atmosphäre am Piazza Castello.

Antica Trattoria Max: Ausgezeichnete, typische Küche in modernem Ambiente mit einer großartigen Auswahl an Weinen und Whiskys – der Leidenschaft der Besitzer. Apropos: Max war die Katze der Besitzer.

Ein Besuch der Osteria „Al Brindisi“ neben der Kathedrale ist in Ferrara ein Muss. Die ehemalige Hostaria del Chiucchiolino ist nämlich die älteste Osteria der Welt und wurde im Jahr 1435 gegründet.

Eisdiele K2: Seit 1968 ist die Gelateria die Adresse für leckeres Eis. Einheimische und Touristen stehen gerne Schlange, um es zu probieren – zu Recht!

Astra Hotel: Das Vier-Sterne-Hotel mit jedem Komfort befindet sich in einer guten Lage, sodass die Altstadt bequem zu Fuß erreicht werden kann.

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