Antonio Canova soll bei schwachem Kerzenlicht gearbeitet haben, um die Details seiner Figuren besser erkennen zu können. Tatsächlich lassen sich die geschwungenen Formen seiner Werke in der Gypsothek in Possagno in Venetien bei Kerzenlicht auf erstaunliche Weise bewundern und ihre Schönheit und Einzigartigkeit so am besten entdecken. Die Statuen scheinen zu erwachen, zu leben und sich zu bewegen. Was für eine zauberhafte Atmosphäre! Selbst die Kerzen zittern vor so viel Anmut. Das Weiß der Gipsfiguren changiert unter dem warmen Licht und wird zu einem weichen Cremefarbton. Während der Führung wird jede Figur Canovas von zwei oder drei Personen mit Können und Grazie durch Kerzen in bestimmten Positionen beleuchtet. So entsteht ein Spektakel, das die Besucher in seinen Bann zieht. Die Zeit scheint stillzustehen, der Zauber wirkt geheimnisvoll, und ich tauche voll und ganz in diese erstaunliche Schönheit ein.






Informationen über die Gypsothek in Possagno und die Führung bei Kerzenlicht: www.museocanova.it
Über die Region Venetien: www.veneto.eu
Die Gypsothek von Possagno in der Provinz Treviso ist die größte Europas. Sie wurde im Jahr 1836 auf Wunsch von Giovanni Battista Sartori, dem Halbbruder und Haupterben von Antonio Canova, errichtet. Er beauftragte Francesco Lazzari mit dem Projekt. Die Gypsothek ist als große Basilika konzipiert, die in drei Abschnitte unterteilt ist. Diese werden durch drei große Oberlichter beleuchtet. Nach den Restaurierungsarbeiten infolge der Bombardierung von 1917 wurde der Stararchitekt Carlo Scarpa zwischen 1955 und 1957 mit der Erweiterung der Gipsfigurensammlung und der Neugestaltung der Werke beauftragt. Er entwarf den ersten Eingangsraum und den neuen Flügel, der seinen Namen trägt. Dabei maß er den Tonmodellen große Bedeutung bei und ordnete bühnenbildnerisch die Kunstwerke innerhalb eines architektonischen Projekts an, sodass das Zenitlicht die weißen Gipsfiguren Canovas hervorhebt.



Text und Bilder: Nicoletta De Rossi