Das schmucke Vicenza in Venetien überrascht Besucherinnen und Besucher mit einer Altstadt, die reich an architektonischen Kostbarkeiten ist. Eine dieser Perlen ist das Teatro Olimpico. Ich sitze im halbrunden Zuschauerraum, dessen Reihen wie in einem römischen Amphitheater hochsteigen. Doch dieser Raum befindet sich in einem Gebäude und ist zudem komplett überdacht. Ich bewundere die Ruhe und genieße sie zugleich – was für ein Paradoxon! Ein Theater ist ein Ort, der sich mit dem Leben der Darstellerinnen und Darsteller sowie der Zuschauerinnen und Zuschauer füllt. Sie alle hauchen dem Theater Leben ein. Sicherlich gibt es auch in einem Theater Momente der Ruhe, in denen alle schweigen – auch die Schauspielerinnen und Schauspieler. Durch seine erstaunliche Form und Architektur hat dieser Ort etwas Wunderbares, fast schon Sakrales und Mystisches und deswegen freue ich mich, ihn in dieser Stille erleben zu können.



Das Teatro Olimpico in Vicenza – ein Theater für die Ewigkeit
Es war das Jahr 1580, als die Accademia Olimpica in Vicenza, der auch Andrea Palladio angehörte, knapp 20 Jahre nach ihrer Gründung beschloss, ein überdachtes und freistehendes Theater zu errichten. Heute ist das Teatro Olimpico das älteste seiner Art weltweit. Der Stararchitekt, der in der ganzen Stadt und Umgebung viele Villen, wie La Rotonda oder Villa Maser, entworfen hatte, schaffte es kurz vor seinem Tod im August 1580, einen Entwurf für das Theater vorzulegen. Dafür ließ er sich von griechisch-römischen Theatern inspirieren. Das Theater besteht aus einem Zuschauerraum und einem Proszenium mit fester Bühne. Besonders beeindruckend sind die ansteigenden Zuschauerreihen, die von einem korinthischen Säulenkranz eingerahmt werden.


Die ideale Stadt als Bühnenkulisse
Die Szene des Teatro Olimpico bildet eine dreigeschossige Schauwand aus Holz mit drei Bogenöffnungen. Vor mir steht das wunderbare Bühnenbild von Vincenzo Scamozzi, das die Stadt Theben mit ihren sieben Gassen und einer atemberaubenden Perspektive darstellt. Die Hauptstraße scheint sehr lang, beinahe endlos, doch sie misst nur 12 Meter. Die Struktur besteht aus verputzten Ziegeln, die Zimmer sind aus Gips. Der Fußboden scheint anzusteigen und der Himmel herunterzukommen. Es ist eine ideale Stadt aus Stuck und Holz in bester klassizistischer Tradition Palladios. So sitze ich immer noch hier und kann mich nur schwer dazu entschließen, wieder aufzustehen und diesen fantastischen Ort zu verlassen. Es war eine Freude, ihn bewundern zu dürfen!


Informationen: www.teatroolimpico.vicenza.it/it/
Über die Stadt Vicenza: www.vicenzae.org/de/
Über die Region Venetien: www.veneto.eu

Das Teatro Olimpico in Vicenza gehört seit 1994 zum UNESCO-Weltkulturerbe „Stadt Vicenza und die palladianischen Villen des Veneto“.
Übernachten und Einkehren
Hotel De La Ville: Das 4-Sterne-Superior-Hotel in der Stadt Vicenza verfügt über komfortable und geräumige Zimmer.
Il Ceppo Bistrot: In Vicenza ist die traditionsreiche Gastronomie Il Ceppo mit leckeren lokalen Gerichten, wie dem Baccalà mantecato, in der Nähe des Teatro Olimpico sehr bekannt. Im Untergeschoss erwartet die Gäste ein Lokal, in dem sie die Spezialitäten des Hauses auch probieren können.


Text und Bilder: Nicoletta De Rossi – Bild Il Ceppo Bistrot: Il Ceppo