Burano-Spitzen: wunderbare Handwerkarbeit mit Tradition

Echte handgemachte Burano-Spitzen sind heutzutage eine Rarität. Doch auf der bunten Insel in der Lagune von Venedig arbeiten junge Frauen wieder mit Freude daran.

In der Boutique „Dalla Lidia Merletti d’Arte“ auf der Insel Burano zeigen Alessandra und Ludovica an ihren leichten Kissen, wie man Spitzen mit der Hand, durch den sogenannten Punto Burano, auch Punto in Aria, genannt, näht. Fasziniert beobachte ich, wie sich ihre Finger genau und schnell in der Luft bewegen und wie auf wunderbare Weise die wertvollen Spitzen entstehen. Dafür benötigen sie eine Nadel, Strohpapier, Garn und eine Zeichnung des Motivs. Für die Zeichnungen lassen sich die beiden von alten Motiven und Dekoren inspirieren, sie kreieren aber auch neue fantasievolle Muster. Wie jede Merlettaia (Spitzenmacherin) brauchen auch Alessandra und Ludovica viel Geduld und Zeit, denn selbst für ein kleines Motiv muss man stundenlang mit der Nadel arbeiten. Ich finde, dass das Nähen von Spitzen die perfekte Kunst zur Entschleunigung ist.   

Burano-Spitzen: eine alte Kunst

Die Laguneninsel Burano in der Region Venetien war in der Vergangenheit für ihre Spitzenherstellung berühmt. Diese Kunst geht bis ins 15. Jahrhundert zurück, als der Punto in aria erfunden wurde. Im 19. Jahrhundert war es sogar verboten, dieses Know-how außerhalb Buranos weiterzugeben. „Heute gibt es auf Burano und überhaupt in der Lagune vielleicht noch hundert Leute, die Spitzen nähen können. Maestre Merlettaie, die dieses alte Handwerk weitergeben können, gibt es aktuell sieben, Lehrlinge neun“, erzählen die beiden, während sie weiterarbeiten.

Spitzen-Boutique mit Tradition    

Zu uns kommt Frau Paola Toselli und zeigt mir einige der wunderschönen Spitzen, die es hier zu kaufen gibt. Sie ist die Mutter von Davide Bressanello, dem aktuellen Inhaber dieser traditionsreichen, familiengeführten Boutique, die 1930 eröffnet wurde. „Jede Spitze ist eine Geschichte für sich“, erzählt die alte Dame lächelnd, die mit zehn Jahren anfing, Spitzen zu machen. In dem großen Laden, der unzählige wertvolle und kostbare Spitzen beherbergt, befindet sich auch ein erstaunliches Museum, in dem sogar Stücke aus dem 16. Jahrhundert zu sehen sind. Stolz zeigt mir Ludovica eine niedliche, kleine Spitze in Schmetterlingsform, die sie selbst gefertigt hat. Während sie mir ihren Schatz beschreibt, spüre ich ihre Leidenschaft und Liebe für diese Kunst – und ich bin zuversichtlich, dass es mit diesen jungen Frauen eine Zukunft für die echten Burano-Spitzen geben wird.      

Um eine typische Spitze aus Burano herzustellen, sind sieben Schritte notwendig. Auch wenn die Merlettaie theoretisch alle Stiche beherrschten, konzentrierten sie sich in der Vergangenheit auf einen einzigen, da durch die ständige Wiederholung derselben Arbeit Schnelligkeit und Perfektion erlangt wurden. Der Punto in aria („frei in der Luft“) ist eine im Knopflochstich gearbeitete Nadelspitze, die ohne Verwendung von Stoff entsteht. 

Informationen über „Dalla Lidia Merletti d’Arte“: www.dallalidia.com

Der Verein Associazione del Merletto di Burano hat es vor, diese alte Kunst und Tradition zu bewahren und weiter zu entwickeln www.ilmerlettodiburano.it

Informationen über die Region Venetien: www.veneto.eu/de

Die Lagunenstadt Venedig und die Inseln der Lagune, darunter Burano, wurden 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Text und Bilder: Nicoletta De Rossi

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