Catania, am Fuße des Ätnas

Wie Phoenix immer wieder aus der eigenen Asche auferstanden, bezaubert Catania, die „schwarze Tochter des Ätna“, jeden Besucher mit einem einzigartigen Flair. Begleiten Sie uns auf einen Spaziergang durch die Stadt bei einer Führung der besonderen Art.

Catania 11 @HGKa

Auf der Piazza del Duomo in Catania herrscht gegen Mittag großes Treiben: Der große Platz mit dem Brunnen Fontana dell’Elefante ist Treffpunkt für Alt und Jung. Der sympathische Elefant aus Lavagestein auf dem ägyptischen Obelisken aus hellem Granit zieht alle Blicke auf sich. Das Symbol der sizilianischen Stadt gibt auch dem Rathaus seinen Namen: Der sogenannte Elefantenpalast, der den Domplatz begrenzt, verdankt seinen Namen tatsächlich den Elefantendekoren, mit denen Architekt Vaccarini die Giebel seiner Balkone schmückte. An den Fassaden erkennt man auch Maßeinheiten, ein Beweis, dass in der Vergangenheit hier der Markt stattfand. Im Innenhof sind historische Kutschen ausgestellt, die am 3. Februar bei der Prozession der heiligen Agathe, der Stadtpatronin, verwendet werden.


Wir wecken die Aufmerksamkeit von Orazio Biscari, einem sympathischen Herren, der uns freundlich anspricht und spontan erklärt, warum die vier identischen Eingänge des Palastes eine Rarität sind: Sie ermöglichten dem Volk den Zutritt von allen Stadtseiten. Orazio hat Zeit, als Rentner muss er nur zum Mittagessen zu Hause sein, und da in Catania relativ spät Mittag gegessen wird, bietet er sich als Cicerone an.
„Der Mercato della Pescheria wird bald schließen: Dieses Spektakel können Sie sich nicht entgehen lassen,“ behauptet er. Wir folgen ihm quer durch den großen Platz am schönen Amenano-Brunnen vorbei. Hier steigen wir ein paar Treppen hinab und erreichen den berühmten historischen Markt, der das orientalische Flair eines Basars hat. Es ist tatsächlich ein echtes Spektakel, zu sehen, wie die Händler ihren Fisch anpreisen und mit den Kunden feilschen. Das Angebot an Fischsorten und Meeresfrüchten ist gigantisch. Die hochwertigsten Fische werden unter den Arkaden angeboten. Orazio erzählt uns, dass der nicht verkaufte Fisch später gegrillt oder gebraten und spontan zum Verkauf angeboten wird. Wir verirren uns zwischen den Obst- und Gemüseständen sowie den Street-Food-Händlern rund um den Fischmarkt.

Palazzi aus Lava 
Vulkanausbrüche und Erdbeben gehören seit jeher zum Alltag des alten Katane, das 729 v. Chr. von griechischen Siedlern gegründet wurde. Die zweitgrößte Stadt Siziliens liegt am Fuße des Vulkans, der ihren Westteil 1669 durch einen Lavastrom zerstörte; der Rest ging 1693 beim großen Erdbeben zugrunde. Für den Wiederaufbau wurde darum meistens das schwarze, leicht düster wirkende Lavagestein verwendet. Orazio erzählt uns vor dem Castello Ursino, dass der Ätna-Ausbruch im Jahre 1669 den Küstenverlauf so änderte, dass die mächtige von Lava umgebene Burg nicht zerstört wurde, aber danach auch nicht mehr direkt am Hafen lag.

Die viereckige Festung mit den runden Ecktürmen, die heute Sitz des Museo Civico ist, ließ Friedrich II. um 1239 erbauen: Über dem Haupttor betrachten wir den Stauferadler, der einen Hasen in den Krallen hält. Aber Catania ist auch eine bezaubernde spätbarocke Stadt und wurde eben deswegen 2002 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Ein Beispiel dafür ist Palazzo Biscari: Der größte Barockpalast der Stadt blickt auf den Hafen und hat eine große, mit üppigen Ranken und vielen Putten verzierte Terrasse. Orazio führt uns weiter durch die Straßen Catanias in die Via Crociferi, die als eine der schönsten Straßen der Stadt gilt. Auf zirka 300 Meter trifft man auf prunkvolle Paläste, Kirchen und Klostergebäude im Barockstil. Wir staunen bei jedem Schritt.

Orazio geht wieder schneller – die Mittagszeit nähert sich. Plötzlich befinden wir uns auf der Straße Stesicoro, wo die Überreste des römischen Amphitheaters teilweise zu sehen sind. Der größte Teil des Gebäudes aus dem 2. Jh. n. Chr.  ist aber von der Straße und den umgebenen Gebäuden bedeckt. Mit einem Umfang von 300 Metern nur wenig kleiner als das Kolosseum in Rom, bot das Amphitheater bis zu 16.000 Zuschauern Platz. „Bereits in der Antike wurde es aber zum Steinbruch, weil sein Baumaterial für den Bau der Kathedrale verwendet wurde,“ sagt Orazio.


Um wieder zum Domplatz zurückzukommen, nehmen wir die lange Via Etnea, die Shoppingmeile von Catania. Bald erreichen wir den Platz, wo die Kathedrale der heiligen Agathe thront. Orazio hat unterwegs Brot für sein Mittagessen gekauft und verabschiedet sich von uns. Wir dagegen genießen den Zauber dieser Stadt und das spektakuläre Wetter in einem Restaurant am Lungomare – natürlich mit Blick auf den Ätna.

TIPP
Ein sehr lebendiges Nachtleben prägt das Stadtzentrum vor allem rund um das Theater Bellini: 1890 mit der Oper „Norma“ eingeweiht besticht dieses Theater im Neorenaissancestil und zählt zu den schönsten Opernhäusern Italiens. Die „Pasta alla Norma“ ist eine Hommage an Vincenzo Bellini, dem Komponisten der Oper „La Norma“: Die Nudeln werden mit Auberginen zubereitet und sind eine Spezialität der Stadt.
www.teatromassimobellini.it 

Informationen: Stadt Catania: www.comune.catania.it/la-citta/turismo/

Mit der Karte Catania-Pass für 1, 3 oder 5 Tage kann man die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen und verschiedene Vergünstigungen und freien Eintritt in einige Museen bekommen. www.cataniapass.it

Enit: www.enit.de 

Pasticceria Quaranta
Typische sizilianische Süßspeisen, himmlische »granita« mit Pistazien- und Mandel-Geschmack sowie leckeres Marzipan.
www.pasticceriaquaranta.it

Ristorante Pizzeria Cuti Lisci
Traditionelle Küche und schmackhafte Pizzen mit Meeresblick: Bei schönem Wetter speist man auf der sonnigen Veranda.
www.cutilisci.it 

Best Western Hotel Mediterraneo
63 mit allem Komfort ausgestattete Zimmer und ein sehr freundliches Personal im Zentrum Catanias. Sizilianisches Frühstück mit frisch gepresstem Orangensaft und im Sommer auch mit »granita«.
www.hotelmediterraneoct.com

Palace Catania Una Esperienze
Modernes 4-Sternen-Hotel in der Nähe des römischen Amphitheaters mit einer wunderschönen Dachterrasse im 7. Stock: Im Restaurant Etnea Roof kann man Mahlzeiten, Cocktails und Drinks, sowie eine reichhaltige Happy Hour ab 19.30 Uhr genießen – immer mit Blick auf den Ätna.
 

 

Text: Nicoletta De Rossi   •   Bilder: Harald G. Koch

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