Cortina d’Ampezzo während Milano Cortina 2026

Genauso wie 1956, als die VII. Olympischen Winterspiele in Cortina d’Ampezzo begannen, kam auch 2026 die Olympische Fackel am 26. Januar in der „Königin der Dolomiten” an. 70 Jahre später zieht die Stadt in der Provinz Belluno in Venetien erneut die Aufmerksamkeit der gesamten Wintersportwelt, ja der ganzen Welt, auf sich.

Wie ist es, während der Olympischen Winterspiele in Cortina d’Ampezzo im Herzen der Dolomiten zu leben? Was macht ein solches grandioses Ereignis mit dem gemütlichen Ort und seinen Einwohnern? Die knapp 6.000 Ampezzani sind an die atemberaubende Schönheit der Dolomiten gewöhnt, die seit 2009 zum Weltnaturerbe gehören. Sich in diese außergewöhnliche Landschaft zu verlieben ist einfach. So ist es nicht überraschend, dass die Schönen und die Reichen den Ort im Herzen der Dolomiten längst für sich entdeckt haben. Er ist vielleicht auch deshalb unter den Prominenten weltweit bekannt. An den ersten Tagen der Winterspiele konnte man berühmten Stars auf der Straße begegnen, wie dem Rapper Snoop Dogg. Den Besuchern entsprechend ist die Flaniermeile, der Corso Italia, von Geschäften mit den feinsten internationalen Marken gesäumt. Ein Aufenthalt in Cortina ist aber auch außerhalb der Winterspiele kostspielig, aber die Anziehungskraft dieses großen gemütlichen Dorfes ist zu stark, um ihm zu widerstehen. Cortina d’Ampezzo wurde im Jahr 1317 erstmals in einer lateinischen Urkunde als „Curtina Ampitii” erwähnt, und so stelle ich mir vor, dass es in allen Zeitaltern ein beliebtes Reiseziel war.  

Eine friedliche Atmosphäre in Cortina

Am Wochenende der Eröffnungsfeier der Winterspiele herrscht in dem kleinen, verschneiten Ort, insbesondere auf dem Corso Italia, eine entspannte und friedliche Atmosphäre. Athletinnen und Athleten sowie Skifahrerinnen und Skifahrer und natürlich viele Menschen, die das olympische Flair genießen möchten, flanieren dort. Auch viele Einwohner sind unterwegs und versuchen, den Ausnahmezustand so normal wie möglich zu erleben. Polizei und Carabinieri sind allgegenwärtig, aber alles verläuft friedlich in der Bergstadt. Die internationalen Winterspiele sind auch politische Spiele, bei denen die Politik aber schweigen sollte. Ob der olympische Frieden, zu dem auch der italienische Präsident Sergio Mattarella aufgerufen hat, weltweit wohl einsetzen wird?

Die Dolomiten sind UNESCO Welterbe

Cortina, das eigentlich immer gepflegt aussieht, ist derzeit von einem weißen Mantel umhüllt. In der Nacht vor der Eröffnung der Winterspiele hat es noch einmal richtig geschneit, sodass die Atmosphäre beinahe perfekt ist. Bei so einem wundervollen Spektakel kann man Cortina die wenigen Schönheitsfehler schon verzeihen. Wenn die Sonne wieder scheint und sich die Dolomiten in ihrer ganzen Schönheit präsentieren, überrascht es nicht, dass sie bereits 2009 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurden. Ein Foto oder Selfie bei den fünf olympischen Ringen vor der Casa Italia ist derzeit ein Muss. Die meisten Leute sind jedoch so konzentriert, dass sie das unglaubliche Panorama, das sich von dort aus bietet, völlig vergessen. Der Blick fällt auf die drei Berge der Tofane-Gruppe, das Wahrzeichen Cortinas. Ich unterhalte mich mit zwei olympischen Ordnern, die dort stehen und mir gerne von „ihren“ Tofane erzählen. 

Tipp: Die Fahrt mit der Seilbahn Faloria bis zur Skipiste und zum Belvedere ist ein unvergessliches Erlebnis. Von dort aus hat man einen atemberaubenden Ausblick auf die Dolomiten und Cortina. Einmal oben angekommen, möchte man gar nicht mehr hinunter. Der Höhenunterschied beträgt übrigens 897 Meter. 

Sànin dapò Cortina!

Am Abend laufe ich vom Olympischen Feuer neben der Kirche zum Cortina Sliding Centre, wo die Wettbewerbe der Sportarten Bob, Skeleton und Rodeln stattfinden.

Im Hintergrund erscheint über der Bahn, auf der die Schlitten fast zu fliegen scheinen, das verschneite Dorf, das wie ein Gemälde wirkt. Cortina bietet ein wirklich märchenhaftes Bild, umgeben von den zauberhaften Dolomiten, die bei den letzten Sonnenstrahlen des Tages rosa erscheinen. Es ist ein berührendes Panorama. Ich gehe langsamer, um diese wunderbare Landschaft so lange wie möglich genießen zu können, und eine innere Stille macht sich breit.  Sànin dapò: Aufwiedersehen Cortina!

Informationen über Cortina hier

Die „Königin der Dolomiten“ ist während der Winterspiele am besten mit Shuttle-Bus-Fahrten von Calalzo di Cadore aus, denn In Cortina gibt es eine verkehrsbeschränkte Zone (ZTL) und nur autorisierte Autos dürfen fahren. Calalzo erreicht man auch mit dem Zug. Wegen der Winterspiele fahren von Treviso aus auch direkte Busse nach Cortina.

Alle Informationen über die Region Venetien sind in der Casa Veneto erhältlich, die sich im Museum „Ciasa de ra Regoles“ im Herzen der Stadt befindet und während der Winterspiele für das Publikum geöffnet ist. Abends wird die Fassade des „Casa delle Regole“ mit wunderschönen Bildern angestrahlt, die die schönsten Seiten der Region zeigen. www.veneto.eu

Die „Regeln von Cortina“

In Cortina gelten die sogenannten „Regole d’Ampezzo“. Dort sind Wälder und Weiden seit Jahrhunderten gemeinschaftliches Eigentum der Gemeinde. Dieses Eigentum und dessen gemeinschaftliche Nutzung stellten über lange Jahrhunderte hinweg die wesentliche Lebensgrundlage der Bevölkerung dar. Darüber hinaus regelten sie das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt und ermöglichten eine nachhaltige Nutzung des natürlichen Territoriums des Tals. Der erste schriftliche Nachweis der Regeln stammt aus dem Jahr 1225, die Ursprünge der Regole d‘Ampezzo reichen jedoch in die Zeit der Langobarden im Jahr 578 n. Chr. Diese alte Ordnung legt kollektive Rechte zur Nutzung und Bewirtschaftung des Territoriums fest: Die Grundstücke dürfen weder verkauft noch ihrer Zweckbestimmung entzogen werden. Sie sind ein natürliches, kulturelles und wirtschaftliches Erbe. Ein gemeinschaftliches Erbe, das an die Kinder weitergegeben werden soll, wobei sich die Erhaltung der Natur und die produktive Nutzung decken. 

Informationen über Milano Cortina 2026: Vom 6. bis zum 22. Februar 2026 und vom 6. bis zum 15. März 2026 ist die Bergstadt einer der Austragungsorte der XXV. Olympischen und Paralympischen Winterspiele „Milano Cortina 2026“. In Cortina finden die Ski-Alpin-Wettkämpfe der Frauen sowie die Disziplinen Bob, Rodeln und Skeleton werden im neu errichteten Cortina Sliding Centre und Curling im historischen Stadio Olimpico del Ghiaccio ausgetragen. www.olympics.com

Übernachten und Einkehren in Cortina

Franceschi Park Hotel: Im dem seit 1922 familiengeführten Hotel im Herzen von Cortina erwarten die Gäste komfortable und elegante Zimmer in typischen alpinen Stil. Gutes Frühstück und atemberaubendes Panorama auf die Berge.

The Roof Cortina Bistrot & Lounge Bar: Das Lokal im vierten Stock der „La Cooperativa di Cortina” verfügt über eine Panorama-Terrasse in der Sonne, die einen Blick auf die Dächer von Cortina und die Berge der Dolomiten bietet. Dank seines modernen, doch gemütlichen Ambientes zählt es zu den beliebtesten Lokalen Cortinas. Für den Dachboden wurde Holz aus einer alten Scheune in Ampezzo mit ihren perfekt erhaltenen Schnitzereien verwendet. Hier kann man nicht nur Kaffee und Kuchen vom Feinsten, sondern auch schmackhafte Gerichte genießen, darunter die typischen Casunziei, mit gekochten roten Rüben gefüllte frische Nudeln.

Tipp: Im Hotel de La Poste, dem ältesten Hotel in Cortina, das 1804 von der Familie Manaigo als Poststation gegründet wurde und heute noch in ihrem Besitz ist, verweilte einst auch der Schriftsteller Ernest Hemingway. Hier kann man heute eine schmackhafte winterliche Version des Bellini-Cocktails genießen, der mit Champagner und Mandarinen zubereitet wird.

Text und Bilder: Nicoletta De Rossi

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