Die Lagune von Caorle

Lagune, Meer und Landzungen prägen die Gegend um Caorle. In dieser Landschaft entdeckt man bei spannenden Ausflügen einzigartige Fischerhäuschen.

Casoni-Chiara-Campanelli

In der Altstadt von Caorle heißen die Straßen calli, ein zugeschütteter Kanal wird rio terrà genannt und statt Plätze sagt man campi und campielli, genauso wie in Venedig. Kein Wunder, dass die hübsche Stadt an der Adria, die lange eine Insel war, auch „Klein-Venedig“ genannt wird. Wie die Lagunenstadt hat der bei Sonnenhungrigen bekannte Badeort auch einen nostalgischen Charme und ist von Meer und Lagune umgeben.

Am Ende des Lungomare Trieste, am Ostrand Caorles, mündet der Kanal Nicesolo ins Meer: Dieser Ortsteil heißt Falconera. Von hier aus kann man mit einem Boot die Lagune und die sogenannten valli – abgegrenzte Wassergebiete, die teilweise natürlich teilweise durch Maßnahmen für die Landgewinnung entstanden – und die geheimnisvollen casoni entdecken.

Zwischen Meer und Himmel
Das Boot gleitet langsam auf dem Wasser. Den Ufern entlang wachsen ununterbrochen grüne Pflanzen, die den Horizont verstecken. Ein Kormoran und eine Familie von Schwänen lassen sich von uns nicht stören. Das Boot nähert sich einer Landzunge, wo zwei casoni zu sehen sind. Früher wohnten während der Fangzeiten die Fischer mit ihren Familien in diesen Hütten – unter harten Bedingungen. Heute bewundert man die charakteristischen und fast schon exotischen Bauten aus Holz und Schilf mit meistens elliptischem Grundriss und stark abfallendem Dach. Unzählige Schilfrohrbündel bilden das Dach und die Wände, so dass das Regenwasser perfekt abfließen kann – und es innen nicht tropft. Zentral gelegen ist die Feuerstelle ohne Rauchabzug, die Wärme spendete und wo gekocht wurde. Die weitere Einrichtung war sehr einfach und essentiell, aber funktional: Die „Betten“ auf den Hängeböden waren durch Leitern zu erreichen. Der kalte Wind Bora pfeift hier vor allem im Winter, daher sind keine Öffnungen auf der östlichen Seite der casoni zu finden.

Draußen ist die Stille fast schon betäubend, nur das leise Rauschen der Wellen des nahe liegenden Strandufers und der Flügelschlag eines Vogels sind zu hören. Die Faszination dieser Landschaft endet aber nicht damit: Auf einigen von der Lagune umgebenen Landzungen gedeihen ganz unerwartet Wälder mit sattgrünen Strandkiefern, die den Boden mit ihren Nadeln bedecken: In diesen „Oasen“ leben sogar Damhirsche!

Beim Zurückfahren hat man den Eindruck, sich in den unzähligen Kanälen und Armen der Lagune zu verlieren. Die Orientierung für Laien ist nicht einfach, mehr wissen sicherlich die Möwen und die Reiher, die uns von oben beobachten. Vorbei an ein paar getarnten Liegeplätzen, wo sich die Jäger verstecken, fahren wir zurück.

Informationen: www.caorle.comwww.enit.de

Ai Bragozzi
Im an der Riva dei Bragozzi gelegenen Restaurant werden Fischgerichte aus frisch gefangenem Fisch zubereitet, wie carpaccio aus Schwert- oder Thunfisch. Via Riva dei Bragozzi 7, Tel.: + 39-0421-212455

Ausflug mit dem Boot zu den casoni:

Motonave Arcobaleno: www.motonavearcobaleno.com/
Bragozzo “Serenissima”: www.bragozzoserenissima.it

Für seinen 1950 erschienenen Roman „Über den Fluss und in die Wälder“ ließ sich der US-amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway von der Lagune von Caorle inspirieren.

Text: Nicoletta De Rossi – Bilder: Chiara Campanelli, Nicoletta De Rossi, Harald G. Koch

Erscheinungsdatum: 28.01.2020

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